Kultur

Die Alten sind da. Und sitzen

„Wir freuen uns, euch mitteilen zu können, dass in diesem Jahr Campingstühle auf dem Grün hinter den Steintreppen wieder erlaubt sind.“ Ein Randaspekt beim dreitägigen „Night of the Prog“-Festival auf der Loreley? Im Gegenteil: Eine Nachricht, die zeigt, wohin sich die Festivalszene entwickelt, geriatrisch betrachtet. Längst sind doch die Zeiten vorbei, in denen vor allem 20-Jährige auf und vor der Bühne für Alarm sorgten.

Heute ist es mehr denn je die Ü-50-Fraktion, die teure Festivalkarten kauft. Und Stars zujubelt, die sich deutlich Richtung Rentenalter bewegen. Oder sogar längst drüber sind. Die „Jungs“ von Iron Maiden: 60plus. Bruce Springsteen: 66. Bob Dylan: 75. Und beim „Night of the Prog“ – fest verwurzelt im Sound der 70er – wird es nicht mehr lange dauern, bis der erste Musiker, der schon vier bis fünf Jahrzehnte im Rock-Geschäft ist, mit dem Rollator auf die Bühne kommt. Im Grunde ja auch so praktisch wie naheliegend: Kann man sich zwischendurch mal kurz hinsetzen. Die Pumpe und so.

Da passt es, dass nun auch zunehmend auf Fans Rücksicht genommen wird, die Rücken haben. Oder Knie. Die jedenfalls keinen langen Festivaltag mehr durch-stehen können, aber noch lange nicht alt genug sind, um das geliebte Live-Erlebnis gegen einen drögen Wohnzimmer-Abend mit Musik aus dem High-End-Kopfhörer einzutauschen. „50 ist das neue 30“ gilt eben auch hier. Jedenfalls wenn genügend bequeme Sitzmöbel vorhanden sind.