Kultur

Asche zu Asche

Die beste Szene in „The Big Lebows­ki“ ist die, als der „Dude“ und Walter die Asche ihres Freundes Donny in den kalifornischen Weiten verstreuen wollen. Da stehen sie am Canyon, der Hypercholeriker Walter spricht noch ein paar warme Worte („Er war einer von uns“), leert die Urne aus. Leider kommt der Wind von vorne.

Was hätte nur der große amerikanische Exzentriker Truman Capote dazu gesagt? Als Schriftsteller („Kaltblütig“, „Breakfast bei Tiffany“) war er zu Lebzeiten bereits eine Legende, der sich auf die Selbstinszenierung verstand. Nach seinem Ableben war seinen Überresten nicht ganz die, sagen wir mal: Luftigkeit beschieden wie denjenigen Donnys. Viel herum gekommen ist sie aber doch.

Die eine Hälfte der Dichter-Asche bekam sein Lebensgefährte, die andere verblieb – zunächst – bei Joanne Carson, in deren Haus Capote 1984 das Zeitliche segnete. Sie wurde der Exfrau von TV-Late-Nighter Johnny Carson allerdings zweimal gestohlen. Klingt wie ’ne ziemliche Lebowski-Aktion, nämlich einigermaßen bizarr ... Was will man mit so was, ins Regal stellen als letzten „Band“ des Gesamtwerks? Mrs Carson ist nun ebenfalls gestorben, ihr Erbe kommt unter den Hammer. Für die Capote- Asche­ liegt der Einstiegspreis bei 2000 Dollar. Das ist erstaunlich wenig, wenn man bedenkt, wie selten dieser ... Gegenstand ist, er ist ja beinah ein Unikat!

Aber „Ich habe die Überreste von Truman Capote geklaut“ klingt halt besser als „Ich habe die Überreste von Truman Capote ersteigert“ ...