Hamburg

Lasst uns über Bücher reden! Warum eigentlich?

Das „Literarische Quartett“ im ZDF steigert den Verkauf von Büchern nur unwesentlich

Hamburg. Ob das neu aufgelegte „Literarische Quartett“ eine erfolgreiche Unternehmung ist oder nicht? Im Zweifel eher: ja. Zumindest aus Sicht von Autoren und Verlagen, die über jeden Auftritt zufrieden sein können, den die wenig telegene Literatur im Fernsehen hat.

Trotzdem ist durchaus schon geschimpft worden über den wiederbelebten Bücher-Talk. Zu viel Freundschaftsdienste, Klüngelei, die Bevorzugung eines bestimmten Verlags – das waren die zumindest nicht ganz von der Hand zu weisenden Kritikpunkte.

Die ganz großen Auswirkungen auf den Bücherverkauf hatte die mit Maxim Biller, Christine Westermann und Volker Weidermann bestens besetzte Literaturwerbesendung auch nicht unbedingt, wie das Branchenportal „Buchmarkt“ nach der Premiere im vergangenen Herbst zu berichten wusste. Was Hamburg angeht, hat sich vor der am heutigen Freitag stattfindenden fünften Ausgabe an diesem Befund wenig geändert, wie eine nicht repräsentative Umfrage unter Hamburger Buchhändlern ergab. Eine stärkere Nachfrage sei bei einzelnen Titeln festzustellen, und das „erfreulicherweise bei Autoren, die sonst weniger wahrgenommen werden“, sagt etwa Harald Butz von der Buchhandlung Heymann. Insgesamt sei es aber so, dass die Neuauflage der einst von Marcel Reich-Ranicki und Hellmuth Karasek geprägten Literatursendung im Vergleich abgenommen habe. Der Hauptgrund, vermutet Butz, sei der zu späte Sendetermin.

Bei Cohen + Dobernigg im Karoviertel ist die Auswirkung der monatlichen Sendung auf den Buchverkauf fast gar nicht festzustellen, wie Daniela Dobernigg berichtet. Ausnahme sei da Bov Bjergs „Auerhaus“, das sich nach der betreffenden Sendung noch besser als vorher verkauft habe.

Nun sind Buchhandlungen sicherlich unterschiedlich, was ihre Kundschaft angeht – im Karoviertel ist sie vermutlich jünger als anderswo. Ihre Kundschaft, so Dobernigg, spreche auch kaum auf die Buchpreise an. Was sich verkauft, sind Titel, die anderweitig kommuniziert werden, wichtig seien „die sozialen Medien und somit die gute alte Mund-zu-Mund-Propaganda“.

Für Kritiker, ob vom Fernsehen oder dem Zeitungsfeuilleton, ist es vielleicht immer schon eine kleine Kränkung, aber in der langen Geschichte der Branche eine Konstante: Es sind die Buchhändler, die Bestseller machen. Butz erklärt, wie wichtig die Mitarbeiter-Tipps samt Buchabenden und anderen Veranstaltungen bei Heymann sind, Dobernigg spricht von der „Präsentation und der Mischung der Bücher auf den Tresen“ sowie der „persönlichen Beratung und Empfehlung – ganz altmodisch“.

Womit festzuhalten ist, dass Literatur auf jeden Fall eine Sache der Inszenierung bleibt – ob der Gestaltung von Bücherstapeln oder der guten, alten Autorenlesung im Buchgeschäft (oder im Literaturhaus). Das Fernsehen scheint nur eine Nebenrolle zu spielen.

„Das Literarische Quartett“, heute, 23.45 Uhr, ZDF