Hamburg

Made in China ? Eine deutsche Farce zum Thema Abschottung

„Hinter der Mauer ist das Glück“ überzeugt im Theater Kontraste

Hamburg.  Für die vergangene, laut Jury „herausragende Spielzeit“ bekommt das Theater Kontraste 2016 den Pegasus-Preis. Dass die 35.000 Euro des Konzerns ExxonMobil im Winterhuder Fährhaus sehr gut angelegt werden, zeigt sich gleich zu Beginn der neuen Saison. Wie im Vorjahr mit der Satire „Wir sind keine Barbaren“ ist Regisseur Murat Yeginer auch mit der Farce „Hinter der Mauer ist das Glück“ eine Inszenierung auf hohem Niveau gelungen. Das liegt nicht nur, jedoch auch an dem preiswürdigen und sprichwörtlich vielschichtigen Bühnenbild von Telse Hand sowie am überzeugenden gesamten Ensemble.

Hier tanzt eine privilegierte deutsche Familie zeitweise auf dem massiven quadratischen Holztisch – er symbolisiert mit Luke in der Mitte und Löchern an den Seiten zugleich das ganze Haus –, weil man den angekündigtem chinesischen Gast nicht vor den Kopf stoßen will. Frau Ting, von der gebürtigen Südkoreanerin Yvonne Yung Hee Bormann zunächst als knallbunte Pop-Figur, später seriös im schwarzen Hosenanzug gespielt, soll im Auftrag ihrer Regierung das Geheimnis des großen deutschen Glücks erforschen. Deutschland hat sich komplett abgeschottet, eingemauert.

Wie schon in „Wir sind keine Barbaren“ mit der sogenannten Flüchtlingskrise überzeichnet Regisseur Yeginer auch in dieser, in der nahen Zukunft angesiedelten Farce den Umgang mit dem Fremden – ohne komplett zu überdrehen. Vati (Konstantin Graudus) und Mutti (Rabea Lübbe) leben mit Kindern in einer Mischung aus Öko-Diktatur und überhöhtem Nationalstolz und gerieren sich in ihrer hellen Leinenkleidung wie Halbgötter in Weiß. Sie ekeln und erschrecken sich vor Gastgeschenken made in China wie Puppe, Spielzeugauto oder Kleidung aus Polypropylen sowie der Strahlung von Tings Smartphone.

Yeginers Idee, Benjamin Lauterbachs Farce, die 2012 als „Der Chinese“ im Staatstheater Darmstadt uraufgeführt wurde, mit einer Asiatin statt eines Asiaten zu besetzen, entpuppt sich ebenso als Clou wie jene, Rabea Lübbe die Mutter und die erfahrenere, aber zierlichere Meike Anna Stock das Töchterlein spielen zu lassen. „Der Chinese muss weg!“, ruft Lübbe am Ende als Mutti einer Furie gleich. Alles auf verdammt komische Art, versteht sich.

„Hinter der Mauer ist das Glück“ wieder
Fr 26.8., 19.30, bis 26.10., Theater Kontraste im Winterhuder Fährhaus, Karten zu 26,-/19.-,
T. 48 06 80 80; www.theater-kontraste.de