Hamburg

Rolf Fuhrmann: „Irgendwann ist auch mal gut“

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Der Fußballreporter mit Kultstatus beendet nächstes Jahr seine Laufbahn bei Sky

Hamburg.  Rolf „Rollo“ Fuhrmann kann einfach nicht aus seiner Haut. Seit fast 25 Jahren führt der Fernsehreporter jedes Wochenende während der Bundesliga-Saison Interviews mit Fußballspielern für den Pay-TV-Sender Sky (früher Premiere). Mehrere Tausend müssten es mittlerweile schon gewesen sein. Kein Wunder also, dass es sich für Fuhrmann etwas ungewohnt anfühlt, die Seite zu wechseln und selbst in die Rolle des Interviewten zu schlüpfen.

Dass er seine Karriere am Ende der Bundesligasaison 2016/17 gleichzeitig zur auslaufenden Rechteperiode der Fernsehpakete beenden will, hat er schon länger beschlossen. „Außerdem bin ich 67 Jahre alt, mache den Job schon seit 25 Jahren, irgendwann ist auch mal gut“, sagt Fuhrmann und diktiert: „Das ist übrigens der Kernsatz. Kann man super als Überschrift verwenden.“ Ein Vierteljahrhundert Berufserfahrung überzeugt.

Der Weg zu 24.000 Twitterfollowern begann für den gebürtigen Ostfriesen, der in Hamburg lebt, mit 16 Jahren als DJ in der Dorfdisco von Aurich. Danach studierte er auf Lehramt mit den Fächern Deutsch und Geografie. Weil er keinen Lehrerjob fand, fuhr er Taxi, kellnerte und schrieb Sketche für einen Radiosender. 1991 bewarb sich Fuhrmann bei Premiere, führte 1992 sein erstes Live-Interview mit Ottmar Hitzfeld.

Wie der Sky-Reporter zur Kultfigur geworden ist, kann er nicht erklären. „Die Leute mögen mich vielleicht einfach. Ich wohne in einer WG, fahre seit 44 Jahren ein selbst gebautes Auto – das kommt gut an“, sagt er. Eine andere Erklärung wäre der unvergessene Fauxpas, als Fuhrmann den FC Schalke 04 für viereinhalb Minuten versehentlich zum deutschen Meister erklärte. Oder das legendäre Interview mit Ex-HSV-Kapitän Rafael van der Vaart, der ihn nach einer Niederlage entnervt fragte, ob er schlecht geschlafen habe. „In dem Job darfst du nicht nachtragend sein“, sagt Fuhrmann. „Die drei wichtigsten Eigenschaften, die ein Reporter haben muss, sind Respekt, Demut und Empathie.“

Emotionale Wutausbrüche von Spielern sind selten geworden, auswendig gelernte und roboterartig abgespulte Fragen der Reporter Alltag für den Fernsehzuschauer. „Vielleicht bin ich ein Farbtupfer“, sagt Fuhrmann. Was der bekennende St.-Pauli-Fan nach seiner Abschiedstour durch die Stadien machen will, weiß er noch nicht. Aus seiner Haut kann er jedenfalls nicht.

Talk der offenen Tür u. a. mit Rolf Fuhrmann, heute, 20.00, Kukuun (Spielbudenplatz 22,
1. Stock)

( anb )