Hamburg

Bilderrausch und Düsterrock

Beim Sommerfestival auf Kampnagel gab’s Spektakuläres in Bild und Ton

Hamburg. Überlebensgroß prangt die Statue von Hatsune Miku im Kamp­nagel-Foyer und lädt ihre meist jugendlichen Fans dazu ein, sich mit ihr abzulichten. Perfekte Einstimmung auf die Oper „The End“, die beim Internationalen Sommerfestival auf Kamp­nagel Deutschlandpremiere feierte.

Gleich über mehrere Leinwände schimmert, blubbert und explodiert die Geschichte um die weltweit erfolgreiche animierte Kunstfigur aus Japan, ein 3-D-Bilderrausch hinreißend animiert und perfekt inszeniert. Ein synthetisches Pop-Klangerlebnis zugleich, kreiert von dem hochgelobten japanischen Komponisten und Pianisten Keiichiro Shibuya, der sich hinter seiner auf der Bühne errichteten Apparatur verbirgt und hitverdächtige Liveklänge beisteuert.

In „The End“ wird Hatsune Miku Hauptfigur einer fast klassischen Geschichte. Das ewig niedliche, grünhaarige 16-jährige Pop-Idol trifft auf einen dunklen, ebenfalls grünhaarigen Wiedergänger, der ihr den nahen Tod verkündet. Das führt bei Hatsune Miku zu philosophischen Betrachtungen über Sein und Nichtsein und weckt zudem den Beschützerinstinkt ihres Meisters, einem knuffigen weißen Hasen mit Quietschstimme.

Manchem mag die Figur zu gestylt sein, um Empathie zu entwickeln. In jedem Fall ist „The End“ ein furioser Anschlag auf die Sinne und ein visuell aufregendes Abenteuer. Nach einem galaktischen Flug ist Hatsune Miku schließlich dazu bereit, ihre Vergänglichkeit und damit irgendwann auch ihren Tod zu akzeptieren.

Mit Livemusik geht es zu späterer Stunde auf Kampnagel bei der belgischen Performerin Miet Warlop, schon 2013 Sommerfestival-Gast, weiter. In „Fruits Of Labor“ lässt sie in einem komplexen Konzertaufbau mit allerlei Schlaginstrumenten, einem Styroporbett, sich drehenden Objekten und spritzenden Schläuchen den totalen Irrsinn ausbrechen. Das Publikum fühlt sich – trotz aller Klischees aus der Welt der Rockmusik – schon bald bestens unterhalten.

Durchaus amüsiert schaut man herabfallendem Wasser auf Trommelbecken zu oder beobachtet zwei langhaarige Rocksänger beim anzüglichen Oben-ohne-Gesang. Das schafft schön-absurde Bilder, und die dreiköpfige Band versteht es auch, mit Inbrunst ein paar düstere Postrock-Songs zu spielen. Inhaltlich wirkt die knapp einstündige Performance jedoch etwas unfertig und dünn.

Internationales Sommerfestival bis 28.8., Kampnagel, Jarrestraße 20, Karten unter
T. 27 09 49 49; www.kampnagel.de