Hamburg

Helge Schneider – auch mit 60 noch gaga, aber gut

Hamburg.  Eine lange Show erfordert auch eine große Band. Obwohl Helge Schneider schon zu Beginn seiner äußerst musikalischen Freitagabend-Show an die Rampe der Stadtparkbühne trat und virtuos ins Saxofon blies, stellte er sogleich seine Sechs-Mann-Combo vor. Dazu kamen wie immer die ganz speziellen Begleiter des Entertainers: der Teekoch Bodo und sein skurriler, langhaariger und graubärtiger Vorturner Sergej Gleithmann, der den bis dahin größten Beifall erhielt.

Seinen eigenen Applaus und die Lacher der 4000 Besucher im ausverkauften Stadtpark-Halbrund musste sich der Multiinstrumentalist aus Mülheim an der Ruhr mit Soli an Vibrafon, Orgel, Piano, Gitarre, Schlagzeug und Trompete im Laufe der mehr als zweieinhalb Stunden erst noch verdienen. Ob Schneider nun die „sexy Wurstfachverkäuferin“ oder „The Trumpets of Mexico“ besang oder Herrn Gleithmann mit Kunstnebelmaschine zu Tanzeinlagen animierte. Dazwischen eine Art Kasperltheater mit Handpuppe an der Trompete. 60 Jahre alt ist Helge Schneider im Vorjahr geworden, doch der Sinn für fast infantilen Nonsens scheint bei ihm nach einem Jahr Bühnenabstinenz auf seiner „Lass knacken, Oppa“-Tournee größer denn je zu sein. Der Dada-Entertainer ist immer noch ein bisschen gaga, dabei aber in Jazz, Blues, Rumba, Rock und Flamenco versiert. Diesmal trat die „singende Herrentorte“ mit breitkrempigem Strohhut, blau-violett kariertem Sakko und schwarzer Hose über den hohen Halbschuhen auf – so nimmt man ihm auch seine Schlagerparodie ab.

Selbst eine 20-minütige Pause konnte dem Spaß an der Freude nur wenig Abbruch tun. Helge Schneider, in diesem Jahr Ehrenpreisträger des Deutschen Kleinkunstpreises, spielte zwischendurch auch mal im Sitzen E-Gitarre. Die Besucher standen es trotz einiger Längen bei den Wortpassagen im zweiten Teil durch. „Willkommen im Altersheim“, rief Schneider nach einer starken Saxofonnummer.

„Lass knacken, Oppa“ auch Sa 20.8., 19 Uhr, Stadtpark, Karten zu 40,70 Euro in der Abendblatt-Geschäftsstelle, Großer Burstah 18–32