Konzert

„Dansööön, s’il vous plaît“: Zaz verzückt Hamburg

Zaz begeisterte bei dem ausverkauften Konzert im Stadtpark 4000 Fans

Zaz begeisterte bei dem ausverkauften Konzert im Stadtpark 4000 Fans

Foto: Imago/Future Image

Die französische Sängerin begeistert mit ihrem enorm abwechslungsreichen Konzert 4000 Fans im ausverkauften Stadtpark.

Hamburg. Weißes Tischtuch und echte Gläser, Trauben im Silberkorb und Weißwein im Kühler. So manches Picknick-Arrangement auf dem Grünstreifen vor der Stadtpark-Arena mutet an diesem Dienstagabend gediegener an als sonst. Wenn sich ein Star aus dem Land des Genusses angekündigt hat, so mögen sich viele gedacht haben, dann tafeln wir eben auch stilvoll.

Das Umsonst-Lauschen auf der so genannten Grillwiese bei Open-Air-Konzerten auf der Stadtpark-Bühne ist eine feine Tradition – zumal wenn, wie jetzt bei der französischen Chanteuse Zaz, alle Tickets längst verkauft sind. Jene 4000 Fans, die eine Karte und somit Einlass ins grüne Rund erhalten haben, können sich extra glücklich schätzen. Denn sie hören, sehen und erleben eine Musikerin, deren Charisma noch bis in die letzte Reihe strahlt.

Faada Freddy im Vorprogramm

„Sie hat ein Herz aus Gold“, preist Faada Freddy, der mit seinem Gospel-Crossover das Vorprogramm gestaltet, die 36-Jährige an. Diese Ansage, die zunächst etwas dick aufgetragen wirkt, bewahrheitet sich jedoch in dem Moment, in dem Zaz die Bühne betritt.

Sie rennt an die Rampe, voller Spannkraft. Ihr weißes kurzes Kleid ist mit bunten Mustern besprenkelt wie die Leinwand eines Künstlers. Ihre braunen Beine stecken in dicken blauen Turnschuhen, mit denen sie fortan hüpfen, kicken, tanzen wird. Sie wischt sich eine Ponysträhne aus der Stirn und tritt an ein weißes Theremin. Dem elektronischen Stabinstrument entlockt sie sphärische Klänge. Ihre Band stößt dazu, der (wirklich sehr gute) Sound driftet ins leicht Rockige. Und dann singt sie. Rau, satt, ansteckend. Sehr selbstverständlich fließt ihre Stimme. Hier muss nichts geknödelt und gepresst werden.

Musik von Swing bis Rap

Zaz beginnt ihren knapp zweistündigen Auftritt mit „La Fée“ von ihrem Nummer-eins-Debüt aus dem Jahr 2010 – inklusive Solo auf der Mini-Tröte Kazoo. Ihr Konzert entfaltet eine enorme Bandbreite – von heißem Swing bis zu coolem Rap, vom Akkordeon-Chanson bis zum pumpenden Techno, von experimentellen Improvisationen bis zu schlicht-schönen Melodien.

„Dansööön, s’il vous plaît“, fordert sie das Publikum bei ihrem Hit „Déterre“ auf. Und beim Blick in die Menge zeigt sich: Ihre Musik kennt kein Alter. Kleine Mädchen mit gemusterten Kopftüchern tanzen neben einer Clique Grauhaariger, die sich lässig ihre Zigaretten anzünden. Männer mit Baseballkappe, Strohhüten, Baskenmützen singen beherzt mit. Jay-Z-Hip-Hop-Fan neben Charles-Aznavour-Liebhaber.

"On ira" als letzte Zugabe

In einem Song wie „La Parisienne“ zeigt sich Zazs komplettes Talent. In dem Lied springt sie vom sanft wogenden Walzer in wilde Passagen, bei denen sich der Zuhörer erstaunt fragt, wie viele Silben wohl in einen Takt passen. Laissez-faire trifft Louis-de-Funès-Slapstick. Und auch wenn Zaz voller Leidenschaft Edith Piafs „Dans ma rue“ interpretiert, zeigt sich: Sie ist viel mehr als das liebliche Amelie-Französinnen-Klischee. Sie ist burschikos und feminin, zerbrechlich und stark.

Nach ihrem großen, putzmunteren Song „Je Veux“ wirbt sie noch rasch für ihren gemeinnützigen Verein „Zazimut“. Und nachdem mit „On ira“ die letzte Zugabe verklungen ist, schlendern die Fans durch den nun dunklen Stadtpark nach Hause. Mit dem Wissen, wie voll und toll das Leben ist.