Konzert

Warum sich Damien Rice in Hamburg in den Regen stellte

Damien Rice im Hamburger Stadtpark

Damien Rice im Hamburger Stadtpark

Foto: Roland Magunia / HA

Fans feiern den irischen Singer/Songwriter im Hamburger Stadtpark. Der Musiker begeisterte mit seinen bewegenden Melodien.

Hamburg.  Die Klänge von Streichern und ein leises Knistern wie von Lagerfeuern tönen aus den Lautsprechern, bevor Damien Rice die Open-Air-Bühne im Stadtpark betritt. Ein schlichtes „Good Evening“ und sofort liegt eine andächtige Stille über dem Publikum. Mit „Older Chests“ stimmt Rice den ersten Song des Abends an. „So pass me by, I’ll be fine“, singt er, und die Wolken am Himmel gehorchen.

Paare halten einander in den Armen, der Wind zerrt an den Bäumen. Alle Zeichen stehen auf Melancholie, Traurigkeit und ein bisschen Weltschmerz. Der Wind wird stärker, als die Melodie von „Color Me In“ erklingt. Und noch stärker, als der Ire bei „The Box“ scheinbar sein gesamtes Leid her­ausschreit.

Immer wieder hält Rice kleine Monologe, erklärt detailliert die Songs, die er als nächstes spielt: „Trusty And True“, ein Song über Selbsthass, dar­über, wie es ist, in Irland aufzuwachsen, mit Verboten und mit Schuldgefühlen. „Wir haben alle unsere eigenen Geschichten“, stellt er fest.

Dass das Publikum ihm seine ungeteilte Aufmerksamkeit schenkt, ist dem Sänger wichtig. Während seines Auftritts dürfen innerhalb des Runds keine Getränke verkauft werden. Und als herrsche ein stilles Übereinkommen zwischen ihm und seinen Fans, lauschen diese seinen bewegenden, manchmal getragenen Melodien und brechen erst dann in Jubel aus, wenn der letzte Ton eines Liedes verklungen ist.

Auch Kulisse und Beleuchtung sind einzig auf den Künstler ausgerichtet: ­Rice steht allein auf der Bühne, nur umgeben von seinen drei Gitarren, zwischen denen er immer wieder wechselt. Goldene Lichtstrahlen und leichter Nebel setzen ihn in Szene. Dann wird er von hinten angestrahlt, wird zu einer schwarzen Silhouette. Und sorgt mit seiner Loop-Station für herzzerreißenden Krach, der manchmal experimentell klingt und aus seiner Akustikgitarre eine elektronische macht.

Am Ende von „I Remember“ schwillt dieser Lärm immer mehr an, wird zum Lautstärke-Höhepunkt des Abends. Der jedoch abrupt endet und in die ruhigeren Klänge von „A Blower’s Daughter“ übergeht. Mantraartig wiederholt Rice die Zeile „I can’t take my eyes off of you“. Und die Zuschauer wenden ihre Augen nicht von dem einsamen Mann auf der Bühne ab.

In diesem Moment scheint es auch der Himmel nicht mehr länger auszuhalten und ergießt einen Platzregen auf die Köpfe der Menschen. „Ich leiste euch Gesellschaft“, beschließt Rice kurzerhand, stellt sich vor der Bühne in den Regen und singt den Rest des Songs ohne Mikrofon zu Ende, zaghaft unterstützt vom Publikum, das seine Solidarität zu schätzen weiß.

Zum Abschluss, den „Volcano“ und das Prince-Cover „When Doves Cry“ bilden, holt der melancholische Ire noch einmal Hanna Leess und ihre Band mit auf die Bühne, die ihn bei seinen drei Open-Air-Konzerten in Deutschland unterstützen. Und die heute Abend keinen einfachen Stand hatten. Es ist ein undankbarer Job, Vorband für ­Damien Rice zu sein.