Hamburg

Lionel Richies heißer Tanz auf der Rasenkante

Der US-Soulsänger kam mit allen Hits in den ausverkauften Stadtpark. Und den 4000 Fans wurde es warm ums Herz

Hamburg.  Gefühlt besteht ein Großteil des Konzertprogramms im Stadtpark aus jährlich wiederkehrenden Gästen oder Bands und Künstlern, die ebenso gefühlt vorgestern in den großen Hamburger Hallen spielten und jetzt unter freiem Himmel nachlegen. Nach Element Of Crime am vergangenen Freitag und Simply Red am kommenden Dienstag hat am Mittwoch Lionel („Hello“) Richie in Winterhude vorbeigeschaut – mit dem „All The Hits“-Programm, das der Schmusesoulbruder seit Jahren aufführt, zuletzt im Februar 2015 in der Barclaycard Arena in Bahrenfeld. Aber: Der Stadtpark ist viel schöner als der Zweckbau im Volkspark. Lionel Richie ist ein famoser Entertainer, und das Wetter ist fantastisch.

Alles spielt dem Balladen-Barden aus Tuskegee, der sich bei seinem letzten Auftritt in der Hansestadt noch lachend über „unkalifornische Kälte“ beschwerte, in die Karten. Seine 4000 Fans im ausverkauften Rund müssen diesmal nicht teppichrollendicke Mäntel zu zweit zur Garderobe wuchten, sondern können Mister Easy in luftigen Sommerkleidchen anstrahlen.

Und Richie strahlt beim Auftaktsong „Running With The Night“ derart gut gelaunt zurück, dass sein Blendax-Lächeln noch in den hinteren Reihen Augenflimmern verursacht. Da helfen auch keine Sonnenbrillen. Seine Ausstrahlung zwischen Schelm und Romancier, Parvenü und Tagträumer überträgt sich, alles wird „Easy“ wie in dem samtigen Commodores-Klassiker. „Ihr steht ja alle, das ist wunderbar“, freut er sich. Die fünfköpfige Band und die Grasnarbe am Bühnenrand bilden den Teppich, auf dem Richie bei „Still“ und „Three Times A Lady“ (mit Flugzeuguntermalung) in die Herzen des Publikums gleiten, wackeln, schlüpfen und schleichen kann.

Dann steht man nicht zwischen 4000 in der Meute, dann gibt es nur noch du, also Lionel, und ich. „Say You, Say Me“. Und natürlich „Hello! Is it me you’re looking for?“, na, wer auch sonst! Wir alle sind seine Engel, seine Ladys, seine Ballerinas, sein Schicksal, seine Welt. Seine Diana Ross. „Ihr könnt singen, aber könnt ihr auch tanzen?“ Das Schwofen, das Abschleppen ist eine Seite der ganz speziellen Lionel-Dynamik. Aber hot steckt auch in Abhotten, jedes Spiel braucht seinen Rhythmus, und so lockern Richie und Band den Abend immer rechtzeitig auf, bevor es zu seifig wird. „Brick House“ ist immer noch funky wie zu Commodores-Zeiten in den 70er-Jahren, „Dancing On The Ceiling“ immer noch ein schönes Relikt aus den 80er-Jahren und „All Night Long (All Night)“ eben das Lied, das einen nicht nur den Rest des Abends, der Nacht begleitet. Es ist einfach immer da. Monatelang. Und wenn dann der Moment kommt, der so traurige wie erleichternde Punkt, an dem „All Night Long“ im Kopf verstummt, stößt man schon auf das Plakat mit dem nächsten Konzerttermin. Blendax-Lächeln. Augenflimmern. Karte kaufen.