Kultur

Kontrollverlust mit Jogginghose

Der kanadische Teenieschwarm Justin Biber ist vielleicht nicht für alle Metal-Fans der Antichrist, aber für viele. Entsprechend groß war das Aufheulen und Aufgrollen, als der 22-Jährige im März mit Selfies zusammen mit Schockrocker Marilyn Manson überraschte und auf seiner „Purpose“-Tour auch noch Mansons Konterfei auf einem T-Shirt spazieren trug – ergänzt mit einem Rückenaufdruck: „Bigger than Satan – ­Bieber“. Eine Provokation! Die meisten Beliebers, wie sich seine Fans nennen, dürften Marilyn Manson gar nicht mehr kennen. Aber alles, was Bieber macht, sagt und tut, ist wichtig. Besonders, wenn es gekauft werden kann.

Um also noch mehr Öl in das Feuer aus gut vermarktbarer Polarisierung zu gießen, haben Bieber und das New Yorker Luxuskaufhaus Barneys diese Woche eine Justin-Bieber-Sonderkollektion zur „Purpose“-Tour vorgestellt. 31 Stücke von der Bomberjacke über diverse Shirts und Hemden bis zum Kilt. Die Preise sind allerdings nicht gerade taschengeldfreundlich für Teenager, die gern mit dem langen Arm am Fanartikelstand entlanggehen. Lederjacke: 1695 Dollar, Manson-Shirt-Nachdruck: 195 Dollar, Simples T-Shirt: 95 Dollar, Jogginghose: 325 Dollar. Da fällt uns nicht nur wieder Karl Lagerfeld ein („Wer eine Jogging­hose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren“), sondern uns fällt auch auf, dass der „Purpose“-Schriftzug auf der Schwitzbuxe das Bandlogo der Metal-Pioniere Pentagram kopiert. Das hat noch niemand bemerkt. Aber wir wollen nicht noch mehr Öl ins Feuer gießen.