Hamburg

Hamburgs Stadtteilkultur sieht sich in Existenz bedroht

Hamburg. Die Beratungen für den Hamburger Doppelhaushalt 2017/18 sind in vollem Gang. Im Etat der Kulturbehörde, im Doppeletat 2015/16 mit 262 Millionen Euro der kleinste aller Behörden, macht die Stadtteilkultur bisher nur 2,5 Prozent aus. Für diese gibt Hamburg in der sogenannten „Rahmenzuweisung Stadtteilkultur“ pro Jahr 5,4 Millionen Euro aus, jedoch ist sie – wie etwa die Privattheaterförderung – seit 2009 nicht mehr erhöht worden. 26 Hamburger Stadtteilkulturzentren teilen sich diese Summe.

Zu wenig, meint der Verein Stadtkultur Hamburg, der Dachverband für lokale Kultur und kulturelle Bildung, nachdem er die aktuelle Lage intern analysiert hat. Die Stadtteilkultur befinde sich „in einer existenzbedrohend schwierigen Lage“, heißt es in einem neuen Forderungskatalog. Aufgrund von im Durchschnitt um 3,5 Prozent jährlich gestiegenen Kosten brauche die Stadtteilkultur eine Erhöhung der Rahmenzuweisung um mindestens 3,9 Millionen Euro. Künftig müsse dann regelmäßig eine weitere Anpassung an Kostensteigerungen und erhöhte Bedarfe erfolgen. Erst mit der Sicherung dieser Basisförderung könne die Stadtteilkultur den gesellschaftlichen Herausforderungen begegnen und wachsende Aufgaben erfüllen.

Dazu gehört für die Stadtteilkulturzentren, die von jeher für ein niedrigschwelliges Angebot in der Nachbarschaft stehen, auch der Umgang mit zugezogenen Migranten. „Wir sind in der Lage, als Begegnungsstätte die kulturelle Teilhabe zu erleichtern und somit einen Beitrag zur Integration zu leisten“, sagte Stadtkultur-Geschäftsführerin Corinne Eichner. „Doch das geht nicht bei einem maroden System.“ Für die erforderliche Sanierung von Stadtteilkulturzentren werden laut Dachverband derzeit einmalig mindestens 5,7 Millionen Euro benötigt.

Manchmal droht die Basisarbeit schlicht auch am Personal zu scheitern: So fehlt im Winterhuder Goldbekhaus aus Kostengründen seit Monaten ausgerechnet eine Stelle für Interkulturelles, und im ella Kulturhaus Langenhorn kann die Stelle für kulturelle Bildung nicht mehr besetzt werden.