Hamburg

Eine verbotene Ausstellung

| Lesedauer: 2 Minuten
Katja Engler

Staatsbibliothek erinnert an die letzte freie Kunstschau 1936 in Hamburg

Hamburg.  Als der Hamburger Maler Heinrich Stegemann die große Künstlerbund-Ausstellung „Malerei und Plastik in Deutschland 1936“ organisierte, riskierte er Kopf und Kragen. Die Reichskulturkammer hatte die Künstler seit 1933 an die Kette gelegt, Pinsel, Farben und Papier gab es nur auf Bezugskarten, und was viele Mitglieder des Künstlerbundes malten, galt bereits als „entartet“. Um die akut gefährdeten Bilder zu schützen, übernachtete Stegemann in der Ausstellung im Hamburger Kunstverein, die wegen Denunziation nach elf Tagen geschlossen wurde. Genehmigt hatte sie der kunstsinnige Senator Hans Harder Biermann-Rathjen. Der damalige Hamburger Bürgermeister Carl Vincent Krogmann, der selbst Kunst von Rolf Nesch sammelte, hatte noch versucht, die Schließung zu hinterfragen – vergeblich.

An diese letzte freie deutsche Kunstschau vor der Gleichschaltung, an diesen mutigen Kraftakt und dessen Begleitumstände erinnert jetzt eine kleine, gut aufbereitete Ausstellung in der Staatsbibliothek. Kuratorin ist die darauf spezialisierte Kunsthistorikerin Maike Bruhns, die gemeinsam mit der Kunststiftung Heinrich Stegemann die Schau initiiert hat.

Natürlich ist es utopisch, anzunehmen, man könne die damalige Ausstellung mit 249 Werken von 175 Künstlern auch nur annähernd rekonstruieren, zumal 118 von ihnen ein Jahr später als entartet galten und in diesem Zusammenhang 9229 Werke beschlagnahmt wurden, viele Künstler im Feld starben und Nachlässe verschwunden sind. Stattdessen wählte Bruhns nun die Option, Grafiken, Gemälde und Skulpturen von 42 Künstlern zu präsentieren, die 1936 dabei waren. Die Werke von Heckel, Feininger, Nolde, Grimm oder Ivo Hauptmann stammen aus der hochkarätigen Sammlung Gerhard Schneider und aus dem Privatbesitz von Maike Bruhns, sie sind in jedem Fall sehenswert.

Wichtig ist außerdem der dokumentarische Teil, der die Hintergründe der damaligen Ausstellung zeigt. Darüber hinaus hat man sämtliche Werke, von denen es Fotos gab, in Schwarz-Weiß auf einer Wand gruppiert. Diese Ausstellung hätte sich auch im Kabinett eines Museums gutgemacht. Leider sind die Initiatoren dort auf kein Interesse gestoßen.

„Malerei und Plastik in Deutschland 1936 – Geschichte einer verbotenen Ausstellung“ 8.7.–28.8. Staatsbibliothek (S Dammtor), Von-Melle-Park 3, Mo–Fr 9.00–24.00, Sa, So 10.00–24.00. Eintritt frei, Katalog mit integriertem Originalkatalog von 1936, 10 Euro

( eng )