Neumünster

Ein Garten der Kunst

Im Gerisch Skulpturenpark finden internationale Werke eine Heimat. Am Sonntag gibt es ein Film-Picknick

Neumünster.  Snacks, Wein und Stechmücken: Bei Picknicks in der Natur gibt’s oft Überraschungen. Weshalb Picknickszenen auch in vielen Spielfilmen auftauchen, etwa in Louis Malles „Eine Komödie im Mai“, in „Babettes Fest“, in der Jane-Austen-Verfilmung „Emma“, „Eiskalte Engel“ (die Kussszene!), „Jenseits von Afrika“ oder der Altherrenkomödie „Picknick mit Bären“.

Warum also nicht zum Film-Picknick in den Gerisch-Skulpturenpark einladen?, dachte sich Claus Friede, Künstlerischer Leiter der Gerisch-Stiftung in Neumünster. Im Park am idyllischen Lauf der Schwale mit zahlreichen Plastiken und Installationen können Besucher am kommenden Sonntag Picknicks zu ihren Lieblingsfilmen inszenieren. Kostümiert, mit stilvollem Picknickkoffer oder Henkelkorb – jeder findet garantiert seine Ecke unter alten Bäumen und an Seerosenteichen. Die schönsten Picknicks bekommen einen Preis.

Der Skulpturenpark mit der Jugendstil-Villa Wachholtz ist mittlerweile zu einem Aktivposten von Neumünsters Kulturleben geworden. 2005 übereignete die Stadt dem Sammler- und Bauunternehmerpaar Herbert und Brigitte Gerisch Teile des drei Hektar großen Landschaftsparks mit drei Auflagen: die Villa zu sanieren, den historischen „Reformgarten“ des Gartenkünstlers Harry Maasz von 1924 zu restaurieren und beide der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. In den Park integrierten die Gerischs ihre auf Zuwachs angelegte Skulpturensammlung mit klassischen und Avantgarde-Arbeiten international bekannter Künstler. „Die Erste, die wir aufstellten, war ,Kissing Birds‘ von Menashe Kadishman“, erzählt Brigitte Gerisch unter einem großen Sonnenschirm vor der Villa, „damit haben wir signalisiert: Hier soll internationale, dreidimensionale Kunst zu Hause sein. Systematisch gesammelt haben wir nicht. Viele Werke fanden wir über Freunde oder Galeristen, einige Künstler haben extra für diesen Park gearbeitet.“

In der Villa Wachholtz ist Raum für Ausstellungen

Die verschiedenen Räume, die Harry Maasz im Park angelegt hat, sind dafür wie geschaffen: Auf einer Wiese steht Magdalena Abakanowiczs Stahlgruppe „Schreitende“, Ian Hamilton Finlay erinnert mit zwei Baum-Tafeln in einem Hain an „Philemon und Baucis“, Markus Lüpertzs „Kopf der Venus“ guckt von einer Terrasse. Morio Nishimura setzte drei „Manna“-Schalen auf einen Teich, in denen manchmal Enten schlafen.

In der Villa Wachholtz, 1903 von Kirchenbaumeister Hans Schnittger für den Buntpapierfabrikanten Paul Ströhmer entworfen, ist Raum für wechselnde Ausstellungen. Noch bis 9. September – und passend zum Picknick – läuft die Schau „Friendly Footage – Kunst und Spielfilm“ mit Werken zeitgenössischer Malerei, Grafik, Fotografie, Skulptur.

„Kunst und Spielfilm reagieren aufeinander, in beiden Genres zeigt sich ein kollektives Bildgedächtnis“, sagt Kurator Friede. Die Ausstellung spielt mit bekannten Bezügen und Assoziationen: Auf dem Dach der Villa sitzen Krähen wie aus „Die Vögel“; die Baumwoll-Figuren der Hamburgerin Viviane Gernaert scheinen sich als „Flying Dragon“ aus einem Martial-Arts-Film zu katapultieren, das Badezimmer der Villa hat sie mit Blutlachen (aus Epoxidharz) verziert. Die Fotokünstlerin Tina Winkhaus verfrachtet eine schwarzhäutige Schönheit in Goethe-Pose aus dem Campagna in einen Höhlen-Horrorfilm, Peter Boués düstere Zeichnungen könnten aus Andrej Tarkowskys „Stalker“ oder einer Doku über das verlassene Pripjat stammen. Beim Betrachten entwickelt jeder seine Assoziationen, „der Künstler hat hier nicht mehr die Deutungshoheit“, sagt Friede. Im Rahmenprogramm wird am 4. September der Künstlerfilm „Die Ameise der Kunst“ gezeigt.

Im Park draußen gestalten Studierende der Hochschule für Künste im Sozialen Ottersberg gerade ihre eigenen Werke: Eine rote Rettungsweste thront unerreichbar auf einem Pfahl im See, eine „Picknickdecke“ aus weißen Kieseln mit bunten Blumen imitiert ein Muster aus dem Ikea-Katalog.

Überall im Gelände gibt es etwas zu entdecken: Zwischen Fichten hat Carsten Höller seinen riesigen Lamellenpilz errichtet. Manolo Valdés stellte seine „Infantin“ an einen Weg, als erwarte sie das Defilee der Besucher. Den 150 Meter langen Grundstückszaun zur Straße hat Olaf Nicolai mit hinter Glas gelegten Siebdrucken einer Wohnzimmergardine verschönt. Bei Gerischs ist Raum für Neues, sogar Abgedrehtes. Zugleich hat die Atmosphäre etwas Familiäres. „Das ist uns wichtig“, sagt Brigitte Gerisch.

Gerisch Skulpturenpark und Villa Wachholtz, Brachenfelder Straße 69, Neumünster, geöffnet Mi–Fr, 11–18 Uhr, Sa+So 11–19 Uhr. Film-Picknick im Park: 10.7., ab 14 Uhr, Anmeldung erwünscht: T. 04321/55 51 20, E-Mail: kontakt@gerisch-stiftung.de