Würzburg

Kontroverse Debatte

Bei den Würzburger Mediengesprächen ging es um den Begriff "Lügenpresse"

Würzburg.  Durch laute Pauschalkritik an etablierten Medien unter dem Oberbegriff "Lügenpresse" wird nach Ansicht von WDR-Redakteur Georg Restle eine sachliche und konstruktive Diskussion über tatsächliche Probleme in der Berichterstattung verhindert. "Durch diesen falschen Pauschalvorwurf wird eine wichtige Diskussion unmöglich gemacht", sagte Restle, Redaktionsleiter des ARD-Politmagazins "Monitor", bei einer Podiumsdiskussion in Würzburg. Die Angriffe auf die Meinungsvielfalt und -freiheit durch große US-Konzerne wie Google und Facebook seien viel gefährlicher "als das Geblöke vom rechten Rand".

Vor allem die rechtspopulistische AfD konstruiere die Lügenpresse-Vorwürfe als Propaganda-Instrument immer wieder mit völlig aus der Luft gegriffenen falschen Fakten, sagte Restle beim Auftakt der Würzburger Mediengespräche: "Die AfD schürt das Feuer, es ist ein propagandistischer Vorwurf."

Der ehemalige ARD-Korrespondent Armin-Paul Hampel, inzwischen Mitglied des AfD-Bundesvorstandes, bezeichnete "Lügenpresse" als überspitzten Begriff, "der aus verschiedenen Gruppen der Gesellschaft kommt". Eine unabhängige und sachliche Berichterstattung finde im öffentlich-rechtlichen Rundfunk nur noch selten statt, sagte Hampel: "Die Aussage eines Berichts hängt heute von der Meinung des Berichterstatters ab."

Nach einer aktuellen Studie stimmten zwar rund 40 Prozent der Anhänger der AfD dem Begriff "Lügenpresse" vorbehaltlos zu, "bei den anderen Parteien sind es aber deutlich weniger", sagte Carsten Reinemann, Kommunikationswissenschaftler an der Ludwig-Maximilians-Universität München.

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