Kampnagel

Magdalena Kozena versemmelt die Songs von Cole Porter

Magdalena Kozena

Magdalena Kozena

Foto: Imago

Sie hat sich am Leichten verhoben. Magdalena Kozena bringt die Lieder des American Songbook nicht cool genug rüber.

Hamburg. Sie hat zwei anspruchsvolle, dramaturgisch interessante Lied- und Kammermusik-Abende in der Laeiszhalle gegeben. Danach kam ein Monteverdi-Avantgarde-Mix, der zeigte, was Magdalena Kozena besonders gut kann – Extreme erkennen und erhellen. Mit ihrem letzten Hamburger Konzert dieser Saison jedoch, einem Retro-Entertainment-Abend mit Musik von Cole Porter, hat sich die Sopranistin mit dem zartbittteren Schmelz in der Stimme vielleicht einen Herzenswunsch erfüllt, den man ihr als Residenzkünstlerin nicht mit sanfter Freundlichkeit aus den Händen nehmen mochte.

Einen Gefallen getan hat sich sich nicht. Ausgerechnet diese Klassiker aus dem American Songbook, die süffisant dahingeschlenzten Boy-meets-Girl-Texte mit ihren sublim anzüglichen Untertönen, ausgerechnet diese mit samtigen Blue Notes gewürzten Hits, die man mühelos versemmeln kann, wenn man sie nicht scheinbar mühelos singt. Kozena versemmelte, leider, auf Kampnagel.

Begleitet von einer mittelgroßen und mittelgroßartigen Bigband aus ihrer tschechischen Heimat, Onrej Havelkas „Melody Makers“, die vor allem kunsthandwerklich okay war und hübsches Period Acting mit viel Pomade im Haar vorführte. Es begann mit der wenig Hoffnung machenden Begrüßung, sie hätte es mal versuchen wollen mit diesem Repertoire. Und dann zog es sich mit diesem Versuch, knapp zwei Stunden lang.

Kozena war so wild entschlossen, sich in diesem Neuland locker machen zu wollen, dass das genaue Gegenteil eintrat. Cool geht ganz anders. Wacker auf dem Beat zu singen, jede Scheinspontanität eingeübt zu haben wie eine Notengirlande von Händel oder Berlioz ist: ganz knapp neben dem Swing zu bleiben, also da, wo man eben nicht sein sollte und wollte.

Die Ü-18-Cocktailbar-Sinnlichkeit der Lyrics mit niedlichen Anekdoten über Gutenachtgeschichten für ihre Kinder zu kombinieren? Das rührt nicht, das schüttelt einen eher etwas durch, weil es so gar nicht zum Rahmen dieser verunglückten Lockerungsübung passt. „Night and Day“, „Let’s Fall in Love“, „Begin The Beguine“, „I’ve Got You Under My Skin“, die guten alten Porter-Perlen, es gab sie zwar alle. Doch sie waren oft kaum wiederzuerkennen unter dem allzu dick aufgetragenen Make-Up, gesungen mit einer Stimme, der man die Opernsängerinnen-Stimme viel zu sehr anhörte, und das schnurgerade, fleißsternsammelnwollende Bemühen, es artig hinzubekommen.

Kozena tanzte etwas Charleston, spielte etwas Klavier, so etüdenhaft straight, wie sie sang. Es blieb sonderbar und zog sich weiter. Dass Havelka wie ein Amalgam aus Tommy Dorsey ohne Posaune und einem blondierten Kevin Spacey den Bandleader gab und auch kleine Tanzeinlagen konnte, war kein echter Trost. Die Kostümierung endete nicht bei der Abendgarderobe und Kozenas Auftritt endete mit zwei Zugaben. Aber: Jetzt swingt sie auch noch? Eher nicht.