Hamburg

Starker Start, übertriebenes Ende

„Supergute Tage“ gastierte bei den Privattheatertagen im Ernst Deutsch Theater

Hamburg.  Christopher ist ein Heranwachsender wie viele andere auch. Er hat auf manches keine Lust, er streitet mit seinem Vater, und manchmal nervt er auch. Dass er bei Berührung in Panik verfällt und sein Gegenüber nicht ansehen mag, macht das Leben für ihn und seine Umwelt nicht eben einfacher. Der Asperger-Autist ist die Hauptfigur in dem Jugendtheatererfolg „Supergute Tage oder die sonderbare Welt des Christopher Boone“, den Autor Simon Stephens von Mark Haddons Romanbestseller adaptiert hat.

Ein Drama um Selbstermächtigung und Identitätsfindung soll es sein, keine Krankenschau. Vor dieser Herausforderung sieht sich die Inszenierung des Jungen Theaters Bonn, die jetzt bei den Privattheatertagen im Ernst Deutsch Theater gastierte. Regisseur Lajos Wenzel macht vieles richtig. Tageslichtprojektoren vergrößern auf der Bühne Zeichnungen, Gegenstände, Requisiten ins Übergroße. Der Zuschauer steigt in den Kopf des von Ferdi Özten herausragend gespielten Christopher und erlebt das darin herrschende Chaos, das nur seine Liebe zur Mathematik ordnen kann. Im Moment stellt sich eine andere Aufgabe. Der Nachbarshund wurde ermordet, der verdächtigte Christopher sucht nach dem Schuldigen. Die Detektivgeschichte entwickelt sich zu einem Sozial- und Familiendrama, in dem die Mutter die Familie verließ, der Vater dem Sohn ihren Tod vorgetäuscht und Briefe vorenthalten hat. Die Odyssee Christophers, der sich zu seiner Mutter aufmacht, entfaltet sich in Spiel- und Erzählszenen eines von Christopher verfassten Buches, aus dem Katharina Felschen vorträgt. Die Bühne ist mal Schule, mal U-Bahn und lässt Raum für spontanes Spiel und allerlei Einfälle.

Im zweiten Teil nehmen allerdings die Klischees überhand, das Familiendrama wird derart überspannt, dass es vor lauter Schwüren, Versprechen und Geschrei gefährlich in betuliche Soap-Nähe rückt. Zu allem Überfluss bleibt Christopher-Darsteller Ferdi Özten noch beim Applaus in seiner Rolle, um sich verrenkend und grimassierend eine turbomathematische Zugabe zu geben. Eine leider grenzwertige Übertreibung und Preisgabe der Figur.

Privattheatertage bis 3.7. , Vorstellungen an diversen Theatern, Karten 9,- bis 29,- in der Abendblatt-Geschäftsstelle, Großer Burstah 18-32, Ticket-Hotline T. 30 30 98 98