Berlin

Thomas Gottschalk: Die Sendung war besser als die Quote

2,09 Millionen wollten am Sonntag „Mensch Gottschalk“ sehen. Der Moderator kam in Leopardenschuhen, plauderte vier Stunden und verriet den Mörder des Konkurrenzkrimis

Berlin. Nach dem Ende der „Wetten, dass..?“-Gottschalk-Ära stand es TV-technisch schlecht um den 66-Jährigen. „Gottschalk live“ in der ARD (hat das überhaupt jemand gesehen?) – abgesetzt. „Back to School“ bei RTL – was war das denn? „Die 2“ mit Günther Jauch – na ja.

Jetzt der nächste Versuch. Ein mutiger Versuch. Thomas Gottschalk wagt sich mit seiner neuen Show „Mensch Gottschalk“ in die TV-Todeszone: Sonntag, 20.15 Uhr, das Motto „Was bewegt Deutschland?“, 15 Themen, als Konkurrenz zu Quotenbringern wie dem „Tatort“ – uff. Und der ARD-Krimi lag dann auch um Längen vorne: 8,10 Millionen Zuschauer (25,0 Prozent Marktanteil) holte der „Tatort“, Gottschalk kam nur auf 2,09 Millionen Zuschauer (7,9 Prozent). Hinter ZDF, ProSieben, Sat.1 und Vox. Die Sendung allerdings war besser als die Quote.

Denn „Mensch Gottschalk“ vereint das, was Gottschalk am besten kann. Plausch, Musik und Einspielfilmchen. Das ging lang. Zu lang. Und RTL kann die Sendung Ende Dezember noch einmal ausstrahlen – als Jahresrückblick.

Die Themen: Ein Griff in die große Wundertüte: Von der Terrorangst vor der EM zur Flüchtlings- und Europakrise zu Krebs zu den Unwettern zu Veganern zu Donald Trump – huch, Überblick verloren. Es wurde über wirklich alles gesprochen. Vielleicht sollte man sich beim nächsten Mal auf mindestens fünf Themen weniger einigen.

Wer da war: Viele. Unter anderen Matthias Opdenhövel, Martin Schulz, Dieter Zetsche, Niki Lauda, die „Let’s Dance“-Gewinner, ein Großcousin von Donald Trump (der seinen Verwandten gar nicht persönlich kennt), Nena. Und Samuel Koch samt Verlobter. Mit Koch sprach Gottschalk über die Zeit nach dem Unfall bei „Wetten, dass..?“. „Wir beide sind für immer verbunden“, sagte Gottschalk schwermütig.

Überflüssigster Gast: Warum „Wer wird Millionär“-Gewinner Leon Windscheid Deutschland bewegen soll, erschloss sich mal überhaupt nicht. Das war dann einfach nur Werbung für die hauseigene Sendung.

Potenzieller Shitstorm: Direkt zu Anfang der Show verriet Gottschalk die „Tatort“-Mörderin im Konkurrenzkanal. „Es ist Paula!“ Ah, Spoiler-Alarm.

Bestes Comeback: Das hatte Thomas Gottschalks Modegeschmack. Leoparden-Schuhe und ein Sakko mit Leo-Innenmuster. Toll. Hallo 90er.

Markus-Lanz-Faktor: Das muss sich Gottschalk von seinem Nachfolger abgeguckt haben – der Knallhart-nachgefragt-Moment mit EU-Parlamentspräsident Martin Schulz (SPD): „Wie sieht’s mit der Kanzlerschaft aus?“ Schulz’ Antwort: „Wenn Sie dann den Präsident machen, Herr Gauckschalk.“

„Wetten, dass..?“-Moment: Da gab es viele. „Mensch Gottschalk“ könnte auch „Wetten, dass...? Reloaded“ heißen. Es gab die gute alte Saalwette (Hunde, die Kunststücke zeigen). Es gab Kalauer und Schenkelklopfer. Und Musik-Acts aus der guten alten Zeit (Pet Shop Boys, Nena). Nur gnadenlos überzogen wurde die Sendung nicht. Nach vier Stunden Sendezeit wäre das auch unzumutbar gewesen.