Konzert-Kritik

Was Streetdancer und Beethoven gemeinsam haben

Musik, Tanz, Wahnsinn: die neue Urban Dance-Show „Beethoven – The Next Level“

Musik, Tanz, Wahnsinn: die neue Urban Dance-Show „Beethoven – The Next Level“

Foto: Hong Thai

Die Berliner Super-Breakdancer B-Town Allstars tanzen zu den Sonaten und Symphonien von Ludwig van Beethoven in der Laeiszhalle.

Hamburg.  Es werden wohl viele aus dem eher jungen Publikum gewesen sein, die am Donnerstagabend in der Laeiszhalle die Berliner Super-Breakdancer B-Town Allstars zu dem berühmten Stürmer und Dränger Ludwig van Beethoven tanzen sehen wollten und dabei womöglich auch dessen Musik entdeckt haben.

Sonaten und Symphonien hat der Komponist aus den großen Träumen seiner Zeit gemacht. Von einer freieren, gerechteren, besseren Welt. Die Streetdancer kennen diese Träume aus dem eigenen Leben, diese Sehnsucht nach Entäußerung. Sie haben sie in ihre akrobatischen Tänze fließen lassen. Die B-Town Allstars sind eine eingeschworene Gemeinschaft von hochtalentierten Individualisten: Ohne blindes Vertrauen zueinander wären manche choreografischen Gruppenszenen und Pas de deux gar nicht möglich. Innerhalb einer locker erzählten Beethoven-Biografie brachte jeder Einzelne die eigenen Stärken zum Strahlen.

Künstler hatten genug zu erzählen

Christoph Hagel spielte anfangs die Appassionata am Klavier. Der virtuose Charaktertänzer Khaled Chaabi, der Choreograf des Abends, schien erst mal die Schwerkraft auszuhebeln mit seinen unglaublich schnellen, geschmeidigen Wendungen. Er spielte die Figur Beethoven glaubwürdig. Allein, und dann in wunderschönen, auch aus dem Boden hinaufwachsenden Pas de deux mit der japanischen Ballerina Yui Kawaguchi (als Beethovens Schwägerin), und mit anderen wichtigen Menschen seines Lebens, verkörpert von den Breakdancern.

Erkennbar hat Chaabi die Musik choreographiert, in Zweier-, Vierer- und in großen Gruppenformationen. Videos, Licht- und Farbspiele im Hintergrund waren schön, hätte es aber nicht gebraucht. Die Künstler auf der Bühne hatten auch so genug zu erzählen.

Finale zu Beethovens neunter Symphonie

Musikalisch interessant war die Soundcollage als Beethoven erlebte, wie er taub wurde. Schwierig wurde es, als DJ Spin-O oder Timothée Andriamanantena ihre Beethoven-Bearbeitungen, die vom Band kamen, so weit trieben, dass das Original nur noch in Fetzen zu erkennen war und im überfrachteten Klangbrei unterging. Das Finale zu Beethovens powervoller neunter Symphonie aber, das war erste Sahne, das hat trotz leichter Bearbeitung Kraft und Wucht behalten. Sofort riss es die Zuschauer im Anschluss aus ihren Sitzen. Beethoven, yeah! Auch für die Elbphilharmonie dürften Künstler wie Khaled Chaabi und die B-Town Allstars interessant sein.