Hamburg

Nur noch Silbermond

Stefanie Kloß undBand zeigen nach ihrem Ausstieg aus „Voice of Germany“ in der Arena eine gute Show

Hamburg. Kurz bevor Silbermond am Donnerstag in der Hamburger Barclaycard Arena auftritt, gibt Sängerin Stefanie Kloß ihren Ausstieg aus der Jury der Castingshow „The ­Voice of Germany“ bekannt. Sie wolle sich auf die Tour der Bautzener Rockband konzentrieren. Das ist auch richtig so, denn warum sollte sie weiterhin Castingsternchen durchwinken, aus denen zumeist eh nichts wird, mit der aktuellen Ausnahme von Jamie-Lee vielleicht, die an diesem Sonnabend beim Eurovision Song Contest in Stockholm antritt.

Stefanie Kloß, Thomas und Johannes Stolle und Andreas Nowak haben es auch ohne Castingquatsch ganz nach oben geschafft. Fünf Top-Ten-Alben seit 2004 wurden veröffentlicht, zwei davon kletterten an die Spitze, und in der Barclaycard Arena versammeln sich auch respektable 9000 Fans. Und die sehen eine zweieinhalb Stunden lange, abwechslungsreiche und engagiert präsentierte Show aus dem Lehrbuch.

Schon beim Intro „Die Mutigen“ beweist Kloß Fannähe und marschiert durch die Zuschauer auf die Bühne, um mit „Langsam“ alles andere als lahm durchzustarten. In den besten Momenten ist Silbermond nämlich eine Rockband, die mit „Für dich schlägt mein Herz“, „Lass mal“ oder „Meer sein“ gehörigen Druck entwickeln kann. Aber natürlich landet man damit nicht gerade im Radio, und so werden blockweise diverse Balladen Marke „Das Leichteste der Welt“, „Irgendwas bleibt“, „Allzu menschlich“ oder „Heut hab ich Zeit“ eingestreut. „O Gott, ich bekomme Pipi in die Augen“, seufzt der benachbart stehende Sänger einer in Szenekreisen nicht ganz unbekannten Metalband. Er ist nicht das einzige Hartgewächs, das an diesem Abend seine sanfte Seite zeigt. Schon vor der Halle sah man durchaus auch ganzkörpertätowierte Eisenbieger, die Knochen wie Bleistifte durchbrechen könnten, aber an diesem Abend gerührt mit dem Finger im Bier herumrühren.

Das kann man Konsenspop nennen, der sich in der Arena von seiner besten Seite zeigt. Es ist niedlich, wie Fans bei „Himmel auf“ den in den Saal ragenden Steg entern. Und als Kloß vor „In Zeiten wie diesen“ ein langes „Refugees welcome“-Statement abgibt, erschallt kein einziger Buh-Ruf. Das hat man leider schon anders erlebt bei Hamburger Konzerten in Zeiten wie diesen. Die aus Sachsen stammende Band wird es sehr freuen.

Die Fans freuen sich über ein intimes Semi-Akustik-Set und die obligatorischen Hits. „Symphonie“ leert die Akkus der Smartphones im LED-Lichterglanz. Bei „Indigo“ regnet es Konfetti, ein bei Pop-Konzerten längst abgeschmackter Effekt, und auch die sehenswerten, aber handelsüblichen Videos und Flackerbilder auf den Leinwänden sind keine Sensation. Sie fallen aber auch nicht negativ auf, weil die Spielfreude am zweiten Tag der Tour, die Chemie zwischen Fans und Band, die Akustik und die gute Songauswahl die Arena zum Club schrumpfen lassen.

Gefühle, Emotionen, sie sind der Treibstoff und „Leichtes Gepäck“, wie Tour und aktuelles Album heißen. Als der Saal „Das Beste“ singt, bekommt auch Stefanie Kloß sichtlich etwas ins Auge. Schnell wegwischen, es ist „Zeit zu tanzen“. Und vielleicht regt dieser gelungene Abend den einen oder anderen jungen Fan an, es Kloß und Silbermond gleichzutun. Sich eine Gitarre, einen Bass, ein Schlagzeug oder ein Mikro zu kaufen und zu rocken. The Voice of muffiger Proberaum!