Hamburg

Philippe Quesne geht Ernstes mit Leichtigkeit an

In der Performance „Next Day“ stehen Kinder zwischen 10 und 13 auf der Kampnagel-Bühne

Hamburg. Wer im Theater mit Kinder im Alter zwischen 10 und 13 Jahren arbeitet, muss dafür sorgen, dass sie Spaß an der Sache haben. Dem französischen Theatermacher Philippe Quesne ist das in einer Kollaboration mit dem Genter Theater Campo in „Next Day“ auf Kampnagel in jedem Fall gelungen. Auf der zur Turnhalle umfunktionierten Bühne türmen sich Schaumstoffblöcke, am linken Rand wartet ein Schlagzeug darauf, bespielt zu werden. Im Hintergrund ist eine Plattenbausiedlung projiziert, die auch schon bessere Tage gesehen hat.

Es ist keine idyllische Welt. Und die zwölf Kinder haben eine Mission, sie müssen das Superheldendasein trainieren, um sich gegen den Angriff von Außerirdischen zu verteidigen. Aber auch gegen Bioterrorismus, Atomkrieg, globale Erderwärmung. Der Zuschauer sieht sie in aller Unschuld in den Krieg ziehen, gegen das von Erwachsenen hervorgebrachte Elend.

Dennoch kommt die Performance nicht niederdrückend und schwer daher, dazu hat Quesne zuviel skurrilen Humor und die Akteure zu viel Spaß. Wenn sie eine ironische Werbepause einfügen, Crêpes braten oder das Publikum mit Schaumstoff bewerfen. Richtig blühen sie aber beim Musizieren auf. Von Nirvanas „Smells Like Teen Spirit“ bis zur Zugabe mit AC/DC’s „Highway To Hell“ ist es beachtlich, was diese Kinderkapelle da abliefert.

Bei einem solchen Unterfangen stellt sich die Frage, was von den Kindern selbst kommt, was Idee und Konzept des Theatermachers ist. Wahrscheinlich ist es eine Mischung aus beidem. An „Next Day“ haben trotz einiger Längen nicht nur die Akteure ihren Spaß. Und diese eingeschworene Gemeinschaft wird das Böse besiegen, das steht fest.

Philippe Quesne/Campo: „Next Day“ Sa 14.5., 20.00, Karten zu 20,-/erm. 10,- unter T. 27 09 49 49; www.kampnagel.de