Hamburg

Zornige Klänge und die Huldigung der Freiheit

Das SWR Sinfonieorchester mit Schostakowitsch, Varèse und Beethoven in der Laeiszhalle

Hamburg.  Es hatte eine zynische Note, das Konzert des SWR Sinfonieorchesters Baden-Baden und Freiburg allzu eng mit dem Motto „Freiheit“ des Musikfests in Verbindung zu bringen. Denn der Klangkörper, 70 Jahre jung und eine der ersten Adressen weltweit für Neue Musik, wird Ende der Saison gewissermaßen von sich selbst befreit. Konkreter: fusioniert. Abgewickelt. Abgeschafft.

Beim Abschiedskonzert in der ­Laeiszhalle fanden Zorn, Bitterkeit und Schmerz ihre Verkörperung in dem jungen Geiger Sergey Khachatryan. Der spielte das erste Violinkonzert von Schostakowitsch, als ginge es um sein Leben, mit Mut zum völligen Verlöschen des Klangs und erst recht zur Hässlichkeit. Das horrend virtuose Werk war keine Sekunde lang nett zu konsumieren; nie entließen die Künstler ihre Hörer aus den Krallen des vertonten Entsetzens. Dass Khachatryans Vibrato recht verkrampft wirkte, passte dazu. So kantige Persönlichkeiten wie diesen Schmerzensmann der Geige findet man selten im Konzertbetrieb.

Um wie viel lebensfroher wirkte dagegen „Amériques“ von Edgard Varèse! Unter dem präzisen und zugleich leidenschaftlichen Dirigat des Chefdirigenten François-Xavier Roth wurde aus dem Brocken mit seinen sage und schreibe 18 Schlagwerkern ein Farbfächer, witzig und natürlich stellenweise ordentlich laut und vor allem so lebendig, als wäre der Hörer selbst in New York, das Varèse so kongenial porträtiert hat.

Beethovens Fünfte nach der Pause, kristallklar und furios, geriet zu jener Huldigung der Freiheit, die dem Komponist vorgeschwebt haben muss. Und Roth ließ es sich auch dieses letzte Mal nicht nehmen, eine kurze, flammende Rede zu halten: für sein Orchester, für die Musik, besonders die Neue. Und damit für uns alle, die wir sie so viel dringender brauchen, als uns womöglich bewusst ist.