Kino

Tom Hanks über Tom Tykwer: „Er ist ein Gott“

| Lesedauer: 6 Minuten
Peter Zander
Ein Mann, ein Plan, eine Wüste: Tom Hanks als Alan Clay in „Ein Hologramm für
den König“. Der Film startet am Donnerstag in den deutschen Kinos

Ein Mann, ein Plan, eine Wüste: Tom Hanks als Alan Clay in „Ein Hologramm für den König“. Der Film startet am Donnerstag in den deutschen Kinos

Foto: X-Verleih / dpa

Der Oscar-Preisträger sprach mit dem Abendblatt über die Arbeit mit dem „Lola rennt“-Regisseur, gute Filme und Krisen.

Hamburg. Er kommt mit großen Plänen in Saudi-Arabien an – und muss dann sehr schnell feststellen, dass die Uhren im Wüstenstaat gänzlich anders ticken als in der Heimat. Tom Hanks spielt in Tom Tykwers (für den Deutschen Filmpreis nominierter) Globalisierungskomödie „Ein Hologramm für den König“ den Firmenvertreter Alan Clay. Dieser versucht, seine angeschlagene Karriere zu retten, indem er dem Monarchen ein neues Konferenzsystem zu verkaufen versucht. Doch schon ein erstes Treffen gestaltet sich schwierig ... Es ist nach „Cloud Atlas“ bereits die zweite Zusammenarbeit von Regisseur Tykwer („Lola rennt“) und Hanks. Wir trafen den Schauspieler kurz vor der Deutschland-Premiere bestens aufgelegt im Berliner Hotel Sofitel.

Hamburger Abendblatt: Herr Hanks, darf ich fragen, wie es Ihnen geht? Wo Twitter Sie am Sonnabend für tot erklärte?

Tom Hanks: Wirklich? Haben sie? Na, dann war’s das jetzt wohl mit dem Gespräch. Kann leider nicht mehr antworten. Sie haben mich echt für tot erklärt?

Es lief durch alle Netzwerke.

Hanks: Und woran soll ich gestorben sein? Wahrscheinlich Diabetes. (lacht) Das ist mir schon mal passiert, als ich „Der Krieg des Charlie Wilson“ drehte. Im Netz wurde vermeldet, ich sei bei einem Autounfall in Neuseeland umgekommen. Ich kann nur sagen, was ich schon damals gesagt habe: Ich bin noch quicklebendig.

Es ist Ihr zweiter Film mit Tykwer. Was macht diese Tom-Tom-Connection aus?

Hanks: Er ist ein Gott für mich, seit ich „Lola rennt“ gesehen habe. „Cloud Atlas“ hat er mit den Wachowskis gedreht, da hatte ich nur wenige Szenen mit ihm. Aber ich hab’ ihn gut genug kennengelernt. Als er mit dem Angebot kam, war ich sofort dabei. Wissen Sie, er kleidet sich wie ich, wir haben dieselbe Philosophie, finden dieselben Filme toll und schlimm. Wir können nächtelang diskutieren – auch darüber, wie müde wir sind, da wir beide Kinder haben.

Tom Tykwer hat uns gerade erzählt, dass Sie jetzt eine eigene App haben?

Hanks: Ja. „Hanx Writer“. Ich wollte mehr Schreibmaschinenerfahrung auf dem ­I-Pad, er hat mir das designt. Ich hab’ schon 2000 Dollar damit gemacht, das wird eine lukrative Karriere. Es geht darum, zu tippen und den Sound zu hören, als ob du auf einer altmodischen Schreibmaschine tippst.

Haben Sie noch weitere Ideen für die virtuelle Realität?

Ich habe überhaupt keine Ideen dafür. Ich bin zufrieden mit der Realität, ich brauche keine virtuelle Version davon. Ich versteh’ Sie auch nicht. Allein 3-D. Können Sie was damit anfangen?

Es gibt kaum einen Film, der das wirklich zu nutzen weiß.

Hanks: Eben. Die sind doch ein pain in the ass . Und wieso machen sie das? Die haben überlegt: Wie können wir den Leuten mehr Geld aus der Tasche ziehen? Wir könnten bessere Filme machen. Nein, zu aufwendig. Wir könnten bessere Sitze einbauen. Nein, auch nicht genug. Was, wenn wir ihnen Brillen aufsetzen, die sie ausleihen müssen. Ja, das ist es!

Tom Tykwers Film ist 2-D. Darin verzweifeln ausgerechnet Sie, der so oft den aufrechten Amerikaner spielt, am amerikanischen Traum.

Hanks: Es geht um Globalisierung. Aber meine Figur ist kein Opfer. Er hat eine Geschäftsidee verkauft und muss dann erleben, dass sein Produkt im Ausland billiger hergestellt wird.

Und dann soll er ausgerechnet in Saudi-Arabien ein Hologramm an den Mann, nein: an den König bringen.

Hanks: Etwas Virtuelles! Ohne zu wissen, was es ist. Das Königreich von Saudi-Arabien ist ein sehr spezieller Ort. Wir haben, gerade in den USA, ganz schöne Klischees über diese Region im Kopf. Manche basieren noch auf „Lawrence von Arabien“, dass alle auf Kamelen reiten. Andere gehen davon aus, alle sind reich und schwimmen im Öl. Das dritte Klischee ist, alle dort sind Extremisten, die uns töten wollen. Nichts davon stimmt. Wenn wir es schaffen, die Menschen dort nicht mehr kollektiv als Fremde, sondern als Individuen zu begreifen, haben wir etwas erreicht.

Ihre Filmfigur steckt in einer fundamentalen Krise. Wann hatten Sie Ihre letzte?

Hanks: Hallo? Ich habe vier Kinder. Und Enkelkinder. Da hast du nie Ruhe. Aber im Ernst: Voriges Jahr hatte meine Frau Brustkrebs. Sie hat das alles glücklicherweise überstanden, aber es hat die ganze Familie erschüttert. Und das, wo ich jetzt 59 bin und dachte, ich sei mit allen Krisen durch. Aber die finden schon zu dir.

Stimmt es eigentlich, dass Sie jetzt eine Bleibe in Berlin suchen? Das hat gerade ein Nachrichtenmagazin vermeldet.

Hanks: Das war so ein Gedankenspiel. Aber: Nein. Die Stadt ist toll. Aber das macht nur Spaß, wenn ich hier einen Film drehe. Dann habe ich meinen eigenen Fahrer. Und Leute, die mir Frühstück ordern. Ich würde schon mal gern einen ganzen Monat hier verbringen, wenn ich die Zeit dafür hätte. Ich wollte hier mal einen Film über Dean Reed drehen, den „roten Elvis“ in Ost-Berlin. Aber ich bin irgendwie der einzige, der meint, das sei ein toller Filmstoff. Und meine Frau und Kinder würden lieber nach Griechenland wollen.

Wäre Berlin nicht eine prima Alternative, sollte Donald Trump Präsident ­werden?

Hanks: (lacht) Selbst dann wird ­niemand aus den USA fliehen. Glauben Sie mir. Wir hatten schon eine Menge Idioten im Weißen Haus, die alle Fehler gemacht haben. Und wir haben’s überstanden. Gerade ist der Zirkus in der Stadt, und es ist ein wilder Zirkus. Aber im November ist er auch wieder vorbei.

... und Hilary ist Präsidentin?

Hanks: Das ist Ihr Job als Journalist, zu spekulieren. Ich halte mich da raus. Warten wir’s ab.

„Ein Hologramm für den König“ startet am Donnerstag in den Hamburger Kinos