Literatur

Die "Herzensorte" der Autorin Isabel Abedi

Lebt in Hamburg,
fühlt sich aber an
vielen Orten heimisch:
die Autorin
Isabel Abedi

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Lebt in Hamburg, fühlt sich aber an vielen Orten heimisch: die Autorin Isabel Abedi

Das neue Buch der Hamburger Erfolgsschriftstellerin für Kinder- und Jugendliteratur führt in die Toskana.

Hamburg.  Als Kind träumte Isabel Abedi, dass sie von Zirkusleuten gekidnappt wurde und fortan im Wohnmobil um die Welt reiste. Ein Stück dieses Traums vom Nomadenleben hat sich die Hamburger Erfolgsschriftstellerin (rund drei Millionen verkaufte Bücher!) in ihrem Erwachsenenleben bewahrt. Sie hat nicht bloß ein Zuhause, sondern gleich mehrere "Herzensorte". Los Angeles, die Stadt, in der sie nach dem Abitur lebte. Ein Dorf im Westerwald, in dem sie als Kind mit der Familie die Wochenenden verbrachte. Und Brasilien, wo der Vater ihrer Töchter aufwuchs und ihre Jüngste jetzt ein freiwilliges soziales Jahr macht.

Auch der Schauplatz ihres neuen Romans, "Die längste Nacht" (Arena Verlag, 408 S., 19,99 Euro), ist ein solcher Herzensort: ein verwunschenes Dorf in der Toskana, in dem der Wein wuchert, die Hitze flirrt und die Seen glasklar sind. Hierher verschlägt es die junge Protagonistin Vita, die feststellen muss, dass ihre Kindheitserinnerungen (und ein wiederkehrendes Trauma) eng mit diesem Dorf verknüpft sind.

In einem ähnlichen italienischen Dorf hat Abedi mit Familie und Freunden viele glückliche Sommer verbracht. Rund 2000 Fotos hat sie vor dem Schreiben gesichtet, um ihre Erinnerung aufzufrischen. "Ich habe sehr viel Fantasie, wenn es darum geht, mir Geschichten auszudenken. Einen Schauplatz kann ich beim besten Willen nicht erfinden. Ich muss wissen, wie es an einem Ort riecht und schmeckt, um über ihn schreiben zu können."

Lange hat Abedi mit ihren Ideen für "Die längste Nacht" gerungen. Erst als sie nach einer durchwachten Nacht völlig übermüdet in den Innocentiapark spazierte, hatte sie das, was sie "eine Vision" nennt: Während sie in die Sonne blinzelte, sah sie plötzlich ein altes Kloster vor sich, eine Art Freilichttheater, zu dem sie einst viele Ausflüge unternommen hatte. Da war er – ihr wichtigster Schauplatz. "Wenn ein Bild stark genug ist, bleibt es nicht im Kopf, sondern wandert ins Herz", sagt Abedi. Über Monate hinweg befüllte sie ein Notizbuch mit Fotos, Ideen, Biografien zu ihren Figuren. Rund 300 Seiten dick war es, als Abedi sich an den Computer setzte und ihre Geschichte schrieb. "Ich muss meine Figuren so genau kennen, dass ich das Gefühl habe, ich schreibe über echte Menschen", sagt sie.

Ärgerlich wird Isabel Abedi, wenn sie den Pauschalbegriff "Jugendroman" hört. "Wir unterscheiden doch auch Erwachsenenliteratur in Thriller, historischer Roman, Autobiografie – warum erhalten Bücher für Jugendliche immer diesen Gesamtstempel?" Tatsächlich ist "Die längste Nacht" Liebesgeschichte, Roadmovie und Coming-of-Age-Geschichte mit kriminalistischen Zügen. Sensibel beobachtet, spannend geschrieben. Die (leider bereits ausverkaufte) Lesung heute in der Buchhandlung Stories! sei für sie eine Art "Heimspiel", sagt Abedi. "Es werden viele Menschen kommen, die den Roman und mich begleitet haben."

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