Tutzing

Expertin: Medien könnten Opfer „retraumatisieren“

Tutzing. Journalisten müssen laut der Medienexpertin Petra Tabeling besser darin ausgebildet werden, wie man mit Opfern von Katastrophen umgeht. Die Medien seien oftmals schlicht überfordert bei der Berichterstattung über Unglücke, sagte die Direktorin des Dart Centers für Trauma und Journalismus (Köln) am Wochenende bei einer Tagung in der Akademie für Politische Bildung in Tutzing.

„Im schlimmsten Fall retraumatisieren wir unsere Interviewpartner“, sagte Tabeling weiter. Immer wieder würden zum Beispiel Journalisten mit Opfern und Angehörigen an den Tatort gehen, um dort medienwirksam ihre Interviews zu drehen. Dabei vergäßen sie, dass damit die seelischen Wunden der Opfer wieder aufreißen könnten.

Tabeling kritisierte, dass angehende Redakteure im Volontariat zwar lernten, wie man Interviews mit Prominenten führt, nicht aber mit Traumatisierten. Für den richtigen Umgang mit Traumatisierten, zu denen auch Menschen mit Kriegserfahrung, NS-Zeitzeugen oder Holocaust-Überlebende zählen, brauche es „Handwerkszeug“. Dieses müsse Journalisten bereits in der Ausbildung vermittelt werden.

Die Tagung in der Akademie für Politische Bildung in Tutzing stand unter dem Thema „Im Visier der Meute: Journalistische Recherche zwischen Fairness und Exzess“.