London

Trauer um den „wahren fünften Beatle“

Sir George Martin, Produzent und Mentor der Fab Four, ist im Alter von 90 Jahren gestorben. Er gilt als einzigartiger Sound- Revolutionär und Schrittmacher der Popmusik

London.  „Meine Herren, Sie haben soeben ihre erste Nummer-eins-Platte aufgenommen“, sagte George Martin im November 1962 zu den Beatles, als die letzten Takte des Liedes „Please, Please Me“ verklungen waren. Und der Produzent der Fab Four sollte recht behalten. Es war der erste von ungezählten Hits der Fab Four, und ­ohne das findige und innovative Genie am Mischpult wäre John Lennon, Paul McCartney, George Harrison und Ringo Starr wohl kein einziger gelungen. Am Dienstag ist Sir George Martin im Alter von 90 Jahren gestorben, wie Ringo Starr via Twitter meldete, inzwischen bestätigt von der Universal Music Group und Martins Management.

Viele zählten als „fünfter Beatle“, seien es die ehemaligen Bandmitglieder Pete Best und Stuart Sutcliffe, Manager Brian Epstein oder auch ihr Hamburger Freund und „Revolver“-Plattenhüllengestalter Klaus Voormann. Aber Martin brachte nicht nur die Karriere ins Rollen, indem er die Fab Four nach mehreren Absagen bei Parlophone Records unterbrachte. Er überredete John, Paul und George, Ringo Starr für Pete Best an das Schlagzeug zu setzen. Er produzierte alle ­Alben der Beatles bis auf „Let It Be“ (1970), das Phil Spector verantwortete, und war auch Schrittmacher für den Sound vieler weiterer Stars, von Gerry & The Pacemakers über Cilla Black und Jeff Beck bis zu Elton Johns Hommage an die 1997 gestorbene Prinzessin Diana, „Candle In The Wind.“

In den 60er-Jahren gelangen Martin und den Beatles von Album zu ­Album Quantensprünge in Aufnahmetechnik und -qualität. Seine Ideen und die der Beatles schufen einzigartige Meisterwerke wie „Rubber Soul“ (1965), „Revolver“ (1966) und „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“ (1967), die in kurzen Abständen die Hörgewohnheiten der Popwelt mit psychedelischen Experimenten, exotischen Instrumenten und orchestralen Arrangements auf den Kopf stellten.

„Danke für Deine Liebe und Güte – George, Liebe und Frieden“, twitterte Ringo Starr, und Paul McCartney würdigte seinen Freund und Mentor in einem ausführlichen Blogeintrag: „Wenn irgendjemand die Bezeichnung des fünften Beatle verdient hat, dann war es George.“ Viele weitere Musiker und Fans, darunter Lenny Kravitz und Liam Gallagher von Oasis, kondolierten in den sozialen Netzwerken. So auch der britische Premierminister David Cameron: „Sir George Martin war ein Gigant der Musik. Mit den Fab Four ­erschuf er Popmusik, die in der ganzen Welt überdauern wird.“