Hamburg

Den Schmerz unglücklicher Liebe in Töne gegossen

Das Jerusalem Quartetstartete in der Laeiszhalle sein Bartók-Projekt

Hamburg.  Nach dem international gefeierten Zyklus aller Schostakowitsch-Quartette, der vor zwei Jahren auch die Hamburger Kammermusikfans begeisterte, widmet sich das Jerusalem Quartet jetzt den sechs Streichquartetten von Béla Bartók. Der erste von drei Abenden im kleinen Saal der Laeiszhalle deutete an, welche Botschaften das Ensemble beim ungarischen Komponisten entdeckt. Anders als die meisten Bartók-Interpreten spürten die Streicher vor allem den weichen und empfindsamen Seiten seiner Musik nach: Mit dichtem Legato sangen sie den Klageton der einleitenden Fuge aus dem ersten Quartett aus; sie ließen die Seufzermotive im Finale erglühen und erzählten so vom Schmerz des Komponisten über seine unglückliche Liebe zur Geigerin Stefi Geyer.

Trotz dieses romantischen, intonatorisch bisweilen etwas getrübten Zugangs, behielt das Jerusalem Quartet die Wurzeln der Musik im Blick. Viele Werke Bartóks sind von der Auseinandersetzung mit der Volksmusik inspiriert und haben ordentlich Feuer im Hintern. Auch das war am Auftaktabend zu spüren, vor allem im Mittelsatz des zweiten Quartetts, dessen wilde Tanzrhythmen der Komponist in Algerien entdeckt hat. Da schrubbten die Streicher ihre Saiten, bis die Bogenhaare barsten.

Die Bartók-Doppelpacks jeweils durch ein Werk von Joseph Haydn zu kontrastieren, ist sicher keine schlechte Idee – doch im „Sonnenaufgang“-Quartett hatte das Jerusalem Quartet etwas Mühe, komplett umzuschalten und erreichte nicht immer die leichtfüßige Präzision und Farbigkeit, die diese delikate Musik dringend bräuchte. Mit dem wunderbar melodiös gespielten Pizzicato-Satz aus dem vierten Bartók-Quartett gönnte das Ensemble seinen begeisterten Hörern schließlich noch einen kleinen Ausblick darauf, was sie in der kommenden Woche erwartet.

Bartók II ist am 1. März, Bartók III am 4. März (jeweils 20 Uhr) in der Kleinen Laeiszhalle zu erleben, Karten unter T. 35 76 66 66