Hamburg

Das letzte Musikfest vor der Elbphilharmonie

Von Ende April bis Ende Mai konzentrieren sich die großen Veranstalter auf Konzerte, die auf das Festivalmotto „Freiheit“ anspielen

Hamburg. Beim ersten Durchgang des Internationalen Musikfests hatte man mit Claudio Abbado geplant, der jedoch verstarb, bevor es 2014 dazu kommen konnte. Für die zweite Auflage hatte der aus Wien stammende ­Generalintendant Christoph Lieben-Seutter es geschafft, seinen Landsmann Nikolaus Harnoncourt mit dessen Concentus Musicus für eine Aufführung von Beethovens Neunter in seinen Spielplan zu lotsen. Auch das soll so leider nicht sein, denn der Altmeister hat vor einigen Wochen seinen Abschied verkündet, statt Harnoncourt wird nun Diego Fasolis dirigieren.

Abseits dieser Personalie betont das Programm für den Zeitraum vom 21. April bis zum 22. Mai das Motto „Freiheit“ vielfach und eindringlich. Private Geldgeber wie die Klaus-Michael Kühne Stiftung oder ein neu gebildeter Freundeskreis wollen aushelfen, wo Barmittel von Kultursenatorin Barbara Kisseler nicht ausreichen.

Das angestrebte Niveau zeigt sich nicht nur in den Auftaktveranstaltungen. Generalmusikdirektor Kent Nagano eröffnet diesen Spielplan-Abschnitt der Saison mit einer von Romeo Castellucci inszenierten Version der Bach’schen Matthäus-Passion in den Deichtorhallen, einen Tag danach zieht NDR-Chefdirigent Thomas Hengelbrock mit einer konzertanten Aufführung von Dallapiccolas Gefängnisoper „Il prigioniero“ nach. Symphoniker-Chef Jeffrey Tate folgt mit Bernsteins „Candide“, einer smarten Reflexion über die beste aller möglichen Welten.

Weitere Themeninseln sind die „Überlebensmusik“-Konzerte mit Werken von Komponisten, die in der Zeit der NS-Diktatur litten oder ermordet wurden. Ein NDR-Schwerpunkt ist – wenig überraschend, aber hier immer gern genommen – Brahms, mit hochkonzentrierter Kammer- und Vokalmusik an einem Tag und allen vier Sinfonien am nächsten. Ebenso interessant wie unberechenbar dürften die Konzerte werden, bei denen die Geigerin Patricia Kopatschinskaja ihrem Spieltrieb freien Lauf lassen kann.

Naganos Konzerte setzen sich, unter anderem mit einer Aufführung von „Repons“ des Hamburger Bach-Preisträgers Pierre Boulez im Michel, mit dem Tod auseinander. Unter den ­illustren Gästen sind Stars der Branche wie das Boston Symphony mit seinem neuen Chef Andris Nelsons oder der Pianist Maurizio Pollini zu finden.

In vielerlei Hinsicht interessant sind die Konzerte von Francois-Xavier Roth, der einerseits mit seinem Orignalklang-Ensemble „Les Siècles“ kommt und anderseits mit dem bald zwangsfusionierten SWR-Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg, desen legendäre Avantgarde-Freiheitsliebe bald nur noch öffentlich-rechtliche Vergangenheit sein wird. Kontrapunkt zu den Konzerten: das Migrations-Projekt „Freiheitsstimmen“ in Zusammenarbeit mit der Körber-Stiftung, bei der Neu-Hamburger vor vielen der Konzerte medial zu Wort kommen.

Informationen: www.musikfest-hamburg.de