Filmfest

So viel Hamburg steckt in dieser Berlinale

Julia Jentsch und Bjarne Mädel in einer Szene aus dem Film „24 Wochen“. Der Film von Anne Zohra Berrached läuft im Wettbewerb der Berlinale

Julia Jentsch und Bjarne Mädel in einer Szene aus dem Film „24 Wochen“. Der Film von Anne Zohra Berrached läuft im Wettbewerb der Berlinale

Foto: Friede Clausz / dpa

Dokumentationen von Hamburger Filmemachern werden gezeigt, zahlreiche Schauspieler und Produzenten von der Elbe sind beteiligt.

Hamburg.  Es kann sich sehen lassen, was in diesem Jahr alles aus Hamburg auf der Berlinale vertreten ist. Geförderte Filme, hanseatische Produktionen und Schauspieler sind mit dabei. Zwei Filme laufen sogar im Wettbewerb. „L’avenir“ ist ein Drama von Mia Hansen-Løve mit Isabelle Huppert in der Hauptrolle. An der deutsch-französischen Koproduktion ist die Hamburger Detailfilm beteiligt. Die einzige deutsche Produktion im Wettbewerb ist „24 Wochen“ von Anne Zohra Berrached. In ihrem Abschlussfilm der Filmakademie Ludwigsburg spielt an der Seite von Julia Jentsch der gebürtige Hamburger Bjarne Mädel. Der u.a. als „Tatortreiniger“ bekannte Schauspieler ist hier in einer ernsten Rolle zu sehen.

Jentsch und Mädel spielen in diesem Film ein Paar. Sie ist Kabarettistin, er ihr Manager. Als sie schwanger wird, gerät ihr bis dahin gut organisiertes Leben aus den Fugen. Sie müssen sich auf das Leben mit einem behinderten Kind vorbereiten.

In „L’avenir“ verkörpert die Huppert eine Philosophielehrerin, die ein wenig in den Tag hineinlebt. Als ihre Mutter ein Pflegefall wird und in ein Heim kommt, muss sich die Tochter von ihr harte Vorwürfe anhören. Der Film sei familienbiografisch und „dicht an der Realität“ sagen die Hamburger Produzenten Fabian Gasmia und Henning Kamm. Die Mutter der französischen Regisseurin Hansen-Løve sei Philosophielehrerin.

"Schrotten!" von Wahl-Hamburger Zähle

Ein Spielfilmdebüt ist für Regisseur Omer Fast das von der Filmförderung Hamburg-Schleswig-Holstein unterstützte Drama „Remainder“; in der Verfilmung des gleichnamigen Romans von Tom McCarthy ist unter anderem Tom Sturridge zu sehen. Cutter des Films war der Hamburger Andrew Bird, produziert hat den Film der Hamburger Malte Grunert („A Most Wanted Man“). Debütantin ist auch die Regisseurin Ahu Öztürk, die in „Toz Bezi“ (Staubtuch) von zwei kurdischen Putzfrauen erzählt. Einer der Produzenten ist der Hamburger Stefan Gieren.

Das Berlinale-Publikum kann sich auch die Komödie „Schrotten!“ des Wahlhamburgers Max Zähle vor dem Kinostart im Mai ansehen. Der Film gewann beim Max-Ophüls-Festival erst kürzlich den Publikumspreis.

In der Reihe Generation 14 plus läuft der ebenfalls von Detailfilm produzierte Kurzfilm „Berlin Metanoia“ von Erik Schmitt. Der Film, dessen Titel vom griechischen Begriff für die Umkehr des Denkens abgeleitet ist, theologisch gesehen aber auch Buße bedeutet, erzählt von Kore, der auf den Straßen Berlins ein entlaufener Bär begegnet. Gespielt wird Kore von der aus Hoisdorf stammenden Marleen Lohse, Regie führt Eric Schmitt, der für seinen Kurzfilm „Nashorn im Galopp“ mehrere Preise gewinnen konnte, und der noch in diesem Jahr mit seinem ersten Langfilm beginnen will: „Die kleine Dame“ soll in Ottensen spielen.

Stark ist Hamburg in diesem Jahr bei den Dokumentarfilmen vertreten. Um den US-amerikanischen Drohnenkrieg geht es in „National Bird“ von Sonia Kennebeck. Sie hat drei Whistleblower dazu überredet, über ihre Erfahrungen zu sprechen. Zu den Produzenten gehören Regisseur Wim Wenders („Paris, Texas“) und die US-Dokumentarfilmlegende Errol Morris. Die Produktion läuft in der Reihe Berlinale Special.

Einige alte Berlinale-Bekannte präsentieren in der Hauptstadt neue Dokumentarfilme. Ulrike Ottinger hat in „Chamissos Schatten“ einen zwölf Stunden langen Film über Naturforscher gedreht.

Monika Treut hat 15 Jahre nach ihrem Erfolg mit „Kriegerin des Lichts“ die Menschenrechtlerin Yvonne Bezerra de Mello erneut in Rio besucht, um in „Zona Norte“ der Frage nachzugehen, was aus den Straßenkindern von damals geworden ist. Treut war erstmals 1985 bei der Berlinale dabei und präsentiert in diesem Jahr dort ihre zwölfte Premiere. Das dürfte Hamburger Rekord sein. Jochen Hicks stellt in „Der Ost-Komplex“ den DDR-Zeitzeugen Mario Röllig und seinen wechselvollen Lebenslauf vor.