Offen gesagt

Malen nach Zahlen für Erwachsene

Yoga, Pilates, sinnlos im Internet surfen – alles vorbei. Die neue Entspannungsübung ist: Malen. Jetzt nicht so richtig im Sinne einer künstlerischen Handlung, eher nach dem Motto Malen nach Zahlen. Oder Malen nach Farben. Jedenfalls muss man nicht vom Genius geküsst sein oder von der Muse geführt, wenn man in Mußestunden ein Malbuch zur Hand nimmt und den Stift sprechen lässt.

In Buchhandlungen ruhen sie noch untätig auf den prominent im Raum stehenden Auslegtischen, in den Wohnzimmern und Szene-Cafés sind sie dann die Stress-Blocker des modernen Menschen. Malbücher sind so was von ihm Trend, und man muss jetzt einfach mal feststellen: Das ist es also, was die Digitalisierung mit uns macht. Statt uns im Takt der Whatsapp­nachrichten und sonstigen Smartphone-Aktivitäten von kontemplativen Verrichtungen (einfach mal auf dem Sofa sitzen und aus dem Fenster gucken, zum Beispiel) immer weiter zu entfernen, regredieren wir zurück aufs Kleinkindniveau.

Was überhaupt nichts schlechtes sein muss, im Gegenteil. Von den Lütten lernen, heißt: siegen lernen. Man könnte doch auch wieder anfangen, Klötzchen zu verbauen. Man könnte wieder mehr mit Lego-Teilen arbeiten. Sehr entspannend, das.

Sagt hier jemand, demnächst schon habe jeder Dreijährige ein Tablet? Niemals! Nur Stifte sind multi-optionale Gegenstände! Oder haben Sie schon mal an einem iPad gelutscht?