Leipzig/Hamburg

Heinz Strunk für den Leipziger Buchpreis nominiert

Leipzig/Hamburg. Da wird doch am Ende nicht des „Heinzers“ Leidenschaft für Botho Strauß eine Rolle gespielt haben? So könnte man sich jedenfalls die etwas überraschende Nominierung Heinz Strunks für den Preis der Leipziger Buchmesse erklären. Vor zwei Jahren gab Strunk („Fleisch ist mein Gemüse“, „Junge rettet Freund aus Teich“), der einen sehr handfesten und expliziten Erzählstil pflegt, dabei aber stellenweise ein hohes literarisches Niveau erreicht, einen Band mit Strauß-Texten heraus.

Die Humorfachkraft von Studio Braun, die den konservativen Dramatiker Strauß bewundert – das machte Eindruck beim Hochfeuilleton. Apropos Dramatiker: Mit Nis-Momme Stockmann („Der Fuchs“) und Roland Schimmelpfennig („An einem klaren, eiskalten Januarmorgen zu Beginn des 21. Jahrhunderts“) sind zwei Theater-Autoren nominiert. Auch Heinz Strunk ist bereits als Theaterautor in Erscheinung getreten. Sein neuer, jetzt nominierter Tatsachenroman „Der goldene Handschuh“ erzählt die Geschichte des Hamburger Frauenmörders Fritz Honka. Ein Werk, für das Strunk, Jahrgang 1962, viel recherchiert hat – und das im Strunk-Sound drastisch und lakonisch von ungeheuren und tragischen Vorgängen berichtet.

Nominiert für den Belletristikpreis sind außerdem die Lyrikerin Marion Poschmann („Geliehene Landschaften. Lehrgedichte und Elegien“) und Gun­tram Vesper mit seinem 1000-seitigem Deutschland-Panorama „Frohburg“. Für DDR-Sujets hat die Leipziger Jury traditionell viel übrig, und seit dem letztjährigen Gewinner Jan Wagner darf man ihr auch ein Faible für Lyrik unterstellen.

Der Preis der Leipziger Buchmesse zählt zu den renommiertesten Auszeichnungen der Literaturbranche. Er wird in den Kategorien Belletristik, Sachbuch und Übersetzung vergeben und ist mit insgesamt 60.000 Euro dotiert. Dass nach Wolfgang Herrndorf und Jan Wagner der nächste gebürtige Hamburger den Preis gewinnt, ist eher unwahrscheinlich. Strunk wird dennoch bereits jetzt zufrieden sein. „Der Roman ist so gut geworden, dass ich jetzt schon ganz melancholisch werde, weil ich ahne, dass mir Vergleichbares nicht gelingen wird“, schrieb er im vergangenen Jahr selbstbewusst auf seiner Homepage.