London

Phil Collins: „Deutschland war immer großartig“

Phil Collins sang und
trommelte bei Genesis,
später hatte er dann
als Solokünstler riesigen
Erfolg, etwa mit
Songs wie „In The Air
Tonight“ und „Another
Day In Paradise“

Phil Collins sang und trommelte bei Genesis, später hatte er dann als Solokünstler riesigen Erfolg, etwa mit Songs wie „In The Air Tonight“ und „Another Day In Paradise“

Foto: picture alliance

Der Weltstar hat gerade seinen 65. Geburtstag gefeiert. An Ruhestand denke der Brite aber keineswegs. Im Gegenteil.

London.  Ins Londoner Royal Garden Hotel kommt der britische Weltstar, der im Herbst eine schwere Rückenoperation hatte, am Stock. Im Interview ist Phil Collins, 65, trotz des Handicaps guter Dinge. Der einstige Genesis-Musiker ist gekommen, um über das große Wiederveröffentlichungsprojekt seiner acht Soloalben zu sprechen. Am Freitag erschienen „Face Value“ (1981) und „Both Sides“ (1993), Ende Februar kommen dann „Hello, I Must Be Going“ (1982) und „Dance Into The Light“ (1996).

Hamburger Abendblatt: Mr. Collins, die Operation im September war doch eine ziemlich ernste Sache?

Phil Collins: War es, ja. Ich habe den ganzen Rücken voller Schrauben. Da war echt alles krass verbogen, Nerven wurden eingeklemmt, ich hatte schon länger dieses Taubheitsgefühl in der rechten Seite, also der Körper hat durch das ganze Schlagzeugspielen schon echt viel mitgemacht. Aber ich habe das Glück, dass einer der führenden Rückenchirurgen in Miami lebt, mich behandelt und inzwischen ein toller Freund von mir geworden ist. Wir schreiben uns ständig SMS, und der ist noch älter als ich.

Sie schreiben gerade an einer Autobiografie. Wie geht die Arbeit voran?

Collins: Das ist eine Sache, über die ich hier besser noch nichts erzähle, darum hat mich der Verleger gebeten. Ich mache das mit jemandem zusammen, der mich quasi interviewt. Er spricht mich auf bestimmte Ereignisse oder Jahre an und ich erzähle.

Was fällt Ihnen auf, wenn Sie so konzentriert aus Ihrem bewegten Leben erzählen?

Collins: Wie unfassbar fleißig ich früher wirklich war. Das ist fast schon beängstigend zu sehen, was ich damals getourt bin. Eine Show nach der anderen, Genesis, ich solo, immer war irgendwas. Anfang, Mitte der Achtziger habe ich so gut wie jedes Jahr ein Album rausgebracht, das war schon Wahnsinn. Aber damals fühlte sich das gar nicht wie harte Arbeit an, ich hatte halt diesen Lauf und habe das auch genossen. Es wurde jahrelang immer besser, wir hatten das, was man heute „Momentum“ nennt. Und größer wurde es auch. Wir müssen uns heute nicht darüber unterhalten, dass ich zu viel gearbeitet habe, doch damals war das eben so, und ich fand es okay.

Wenn Sie jetzt auf Ihren Ruhestand blicken – war der ein Fehler?

Collins: Nein, ich stehe dazu. Ich musste das tun, und ich denke, ohne die Pause würde es dieses Comeback nicht geben, und wir würden uns nicht über die Wiederveröffentlichung meiner Alben unterhalten. Dadurch, dass ich weg war, ist es jetzt schöner, dass ich wieder hier bin.

Sie waren ewig nicht in Deutschland.

Collins: Nein. Aber Deutschland war immer großartig. Die Popularität von Genesis und von Phil Collins ist in Deutschland wirklich unglaublich gewesen. Ich habe herrliche Erinnerungen an meine Tourneen mit Genesis und auch an meine „First Final Farewell Tour“. Damals 2004 durfte ich schon in den brandneuen Stadien spielen, in denen zwei Jahre später die WM stattfand. Besser geht es doch gar nicht.

Stellen Sie sich schon mal heimlich vor, wieder in einem schönen großen Stadion zu spielen?

Collins: Nein, wir wollen nicht übertreiben: Für Stadien reicht meine Fantasie im Moment nicht. Obwohl, in Deutschland würde ich vermutlich die eine oder andere Fußballarena vollbekommen.

Dass ein Album wie „Face Value“ schon 35 Jahre alt ist, kommt einem nicht so vor. Wahrscheinlich, weil man viele der Songs so unendlich oft gehört hat.

Collins: Das stimmt, aber auch das ist das Schöne an dem Projekt: Es geht in die Tiefe. Die meisten kennen „Can’t Hurry Love“, „Another Day In Para­dise“, „One More Night“, etc. Aber sie kennen den Rest nicht.

Warum haben Sie bei allen CDs jeweils noch Live-Aufnahmen der Songs sowie einige Demoversionen hinzugefügt?

Collins: Wenn schon, denn schon. Die Demos zeigen, wie die Songs entstanden sind, die Live-Aufnahmen zeigen, was aus ihnen geworden ist. „Both Sides“ habe ich ganz alleine aufgenommen, diese Stücke bekamen mit der Band neues Leben eingehaucht.

Ist es auch spannend zu gucken, wie sich Phil Collins über die Jahre verändert hat?

Collins: Absolut. Ich hatte großen Spaß, die Coverfotos in denselben Posen noch einmal aufzunehmen. Das war eine tolle Woche in New York. Und es ergibt Sinn. „Face Value“ im Original zeigt den Collins von damals, „Face Value“ jetzt zeigt den Collins von heute.

Was für einen Phil Collins sehen Sie, wenn Sie sich das Foto aus dem Jahr 1981 angucken?

Collins: Ich sah total jung aus, jünger als die knapp 30, die ich damals war. Heute kann ich das nicht mehr von mir behaupten. Wobei mir das Älterwerden echt nichts ausmacht, ich finde das in Ordnung und mag mich als älteren Mann ganz gern. Im Kern habe ich mich seit damals nicht verändert, ich halte mich allerdings in manchen Aspekten für klüger als früher.

Sie können so viel machen, jetzt, wo der Ruhestand doch wieder vorbei ist: Soloalbum, Solotour, Album mit Barry Gibb, vielleicht sogar ein Comeback mit Genesis …

Collins: Langsam, langsam.

Sie haben sich also noch nicht entschieden, wie es weitergeht?

Collins: Ich empfinde es als große Ehre, dass mich alle nach meinen Plänen fragen und wollen, dass ich was mache. Aber ich habe mich noch nicht festgelegt.