Kultur

Moderator am Flügel

Wenn eine Sendereihe sonntags nachmittags „Epochen der Musikgeschichte“ heißt, möchten manche garantiert reflexartig in Deckung gehen und sich die Ohren dicht spachteln. Der Titel klingt allzu sehr nach „Hefte raus, Klassenarbeit!“, nach vermeintlichen Kopfschmerz-Vokabeln wie Sonatenhauptsatz und Mensuralnotation. Doch was der Genuss-Sender Arte neulich ins Programm stellte, konnte sich mühelos in kurzweiligen 90 Minuten wegsehen lassen. Barock als erste Portion, mit Bach, Vivaldi, Händel, Lully; Klassik, Romantik und Moderne werden folgen.

Jede der vier Episoden hat einen Moderator am Flügel, so ist es gleich viel handlicher, wenn man mal eben vorführen möchte, wo die Unterschiede zwischen Renaissance- und Barock-Harmonik liegen. Den lässig kompetenten Auftakt machte der Pianist und Electro-Tüftler Francesco Tristano, die anderen sind die vor allem als populär bekannte Gabriela Montero, der Off-Kultur-Horowitz Chilly Gonzales und der Showtreppen-Organist Cameron Carpenter.

Vier vom Fach also und nicht, wie bei anderen öffentlich-rechtlichen Sendern, irgendwelche Aushilfsmoderatorinnen, die Schönberg für einen hippen Ortsteil von Wien halten und Mozart nur als Kugel ertragen. Eine bunte, wilde, fundiert plaudernde Quartett-Besetzung, die zu Interviews und Konzertausschnitt-Videos über­leitet.

Der Gottesdiener Bach und der Publikumsliebling Händel wurden klug präsentiert, später soll Beethoven als Querdenker seiner Zeit ebenso klar erklärt werden wie Wagners Tristan-Akkord. Weniger ist schwerer, als das alles leicht zu lassen. Das Häppchenhafte funktioniert, weil gar nicht erst versucht wird, auf den Nährwert zu verzichten, weil die Zutaten stimmen und die Musik in ihrer Großartigkeit wirkt. Nur ganz kurz denkt man sich, dass die Comic-Einspielungen etwas überputzig sind. Und merkt deswegen erst später, dass die Lehrstoffdosis für Neulinge sehr geschickt erhöht wurde. Und sollte sich für die nächsten Sonntagnachmittage lieber nichts Schlechteres vornehmen.