Hamburg

Das Literaturfrühjahr 2016: Darauf können wir uns freuen

Ein bislang unveröffentlichter Roman von Siegfried Lenz, ein Riesenroman von Maxim Biller und Heinz Strunks Fritz-Honka-Buch – die Saison verspricht, interessant zu werden

Hamburg. Neben Martin Walser, der am 28.1. im längst ausverkauften Literaturhaus zu Gast sein wird, beehrt 2016 ein weiterer Altmeister Hamburg: John Irving liest am 25. Mai im Thalia Theater aus seinem im März erscheinenden Roman „Straße der Wunder“, der so lebensprall ist wie jedes Werk des amerikanischen Erzählers – im Mittelpunkt der Handlung stehen zwei junge Migranten. Wer könnte mehr beanspruchen als jener Typus des Flüchtlings, eine prägende Sozialfigur der Gegenwart zu sein?

Zu einem anderen amerikanischen, einem wahren Großmeister: Ende Januar bringt Rowohlt endlich Cormac McCarthys ersten Roman aus dem Jahr 1967 auf Deutsch heraus, er trägt den Titel „Der Feldhüter“ („The Orchard Keeper“). Für alle McCarthy-Fans ein Festtag – der Pulitzer-Preisträger schreibt derzeit an einem neuen Roman, es kommt also in etwas fernerer Zukunft noch besser.

Von Jane Gardam, der jetzt in deutscher Sprache entdeckten englischen Erzählerin, kommt im Mai die nächste Übersetzung heraus: „Eine treue Frau“.

Auch sonst lesen sich die Verlagsprogramme vielversprechend: Es erscheinen Romane von Michael Köhlmeier („Das Mädchen mit dem Fingerhut“) und von dem auf Deutsch schreibenden Deutsch-Iraker Abbas Khider (früher beim Hamburger Nautilus-Verlag, jetzt bei Hanser), sein neuer Roman heißt „Ohrfeige“ und thematisiert die Flüchtlingsproblematik. Außerdem gibt es neue, dicke Romane von Thomas Glavinic („Der Jonas-Komplex“), Juli Zeh („Unterleuten“) und Maxim Biller: Dessen lang erwarteter Roman, 900 Seiten dick, spielt unter anderem in Hamburg und heißt – „Biografie“.

Weitere Hamburgensien: Norbert Gstreins Roman „In der freien Welt“ und Heinz Strunks Fritz-Honka-Buch „Der goldene Handschuh“ kommen im Februar, genauso wie Karen Duves im Jahr 2031 spielende Dystopie „Macht“, in dem die Menschen mit Verjüngungspillen hantieren. „Fallensteller“, der erste Erzählungsband von Saša Stanišic, dem Gewinner des Preises der Leipziger Buchmesse, erscheint im Mai. Und Isabel Bogdan, Hamburger Übersetzerin, legt ihr erzählerisches Debüt „Der Pfau“ vor.

Und im März gibt es einen neuen Lenz: „Überläufer“, der zweite fertiggestellte Roman des großen Erzählers – er wurde nie gedruckt – erscheint jetzt erstmals. Sachbücher gibt’s auch – die Eppendorfer Sex-Erklärerin Ann-Marlene Henning ist jetzt bei Rowohlt, „Eine Sexologin erzählt“ erscheint im Juni.