Kultur

Der gute TV-Vorsatz

Ich bin eigentlich kein großer Freund des guten Vorsatzes. Abnehmen, zunehmen, mehr rauchen, weniger rauchen, mehr Sport, weniger Sport: alles Mumpitz. Meistens läuft die ganze Nummer ohnehin nur auf ein kurzes Aufflackern der Verhaltens­änderung hinaus. Aber dieses Jahr zu Silvester bin ich dann doch schwach geworden und habe mir etwas vorgenommen: Nämlich wählerischer mit meiner Fernbedienung umzugehen. Ich gucke 2016 nur noch gutes Zeug.

Na gut, abgesehen von den Nachrichten. Die führen augenblicklich zwar mal wieder zu massiv erhöhtem Blutdruck (Grüße nach Wildbad Kreuth, nach Polen, nach Saudi-Arabien, nach Köln und auf die Reeperbahn), aber es nutzt ja nix. Ich will ja wissen, was so in der Welt passiert.

Aber sonst kommt mir dieses Jahr nur noch televisionäre Feinkost auf den Schirm. Und meine persönliche Qualitätsoffensive, sie funktioniert bisher ganz ausgezeichnet. Alles Perlen, keine Säue: Die neuen Folgen „Der Tatortreiniger“ im NDR und der grandiose Dokumentarfilm „Lemmy“ bei Arte. Dazu Olli Dittrichs neuester parodistischer Geniestreich „Der Sandro-Report“ im Ersten und der zweite Teil von „Die Geschichte eines Abends“: Der Talk-Runde, die keine ist und die der NDR tragischerweise mal wieder im tiefsten Nachtprogramm verbuddelt hat. Dabei ist das von Dirk Stermann moderierte gesellige Beisammensein mit Roberto „Ein bisschen Spaß muss sein“ Blanco, der von mir schon lange sehr geschätzten Carolin „Pussy Terror“ Kebekus, Ralf „Mann, do!“ Richter und Linda „Guten Abend, meine Damen und Herren“ Zervakis schon allein, aber sich nicht nur wegen der Zusammenstellung der Gästeliste so wunderbar abstrus wie spannend und unterhaltsam.

Oh, ich sehe gerade, nächsten Freitag geht das RTL-Dschungelcamp los. Inklusive des von mir schon lange wenig geschätzten Gunter „Hallo, schöne Frau“ Gabriel , Jenny „Das rote Sofa“ Elvers und weiterer Konsonantenprominenz. Na toll.

Egal. Immerhin hat mein guter Vorsatz für 2016 dann länger gehalten als alle seine Vorgänger zusammen.