Hamburg

Mutmacher für Autoren: Der Mara-Cassens-Preis

Hamburg. Preise sind eine feine Sache. Zumal dotierte. Und 15.000 Euro ist nicht nur für eine Debütautorin eine Menge Geld. Aber fast noch schöner muss es eigentlich sein, wenn man beim Vorlesen seines eigenen, ersten Romans in einen Saal blickt, der so komplett ausverkauft ist, dass einige Zuschauer sich auch mit Stehplätzen begnügen, um zuhören zu dürfen.

Die Historikerin Verena Boos aus Rottweil, die am Donnerstag im Literaturhaus den Mara-Cassens-Preis für das gelungenste Romandebüt 2015 erhielt, war denn auch selig. Mit ihrem Erstling „Blutorangen“ (Aufbau), einem Stoff, den sie selbst als „etwas sperrig“ einstuft, gelang es Boos, die Leserjury zu überzeugen. Auf drei Zeitebenen erzählt der Roman eine spanisch-deutsche Geschichte über politische und familiäre Verstrickungen.

Laudator Ruthard Stäblein vom Hessischen Rundfunk, der das Werk sehr genau und zugewandt besprach, schien besonders erfreut über die Tatsache, dass Boos nicht „aus dem Betrieb“ kommt (nicht in Leipzig gewesen! nicht Germanistik studiert! aus der Provinz!) und trotzdem Literatur hinbekommen hat. Über die hatte Literaturhauschef Rainer Moritz einiges Grundsätzliches zu sagen, bei dem das Hinhören durchaus lohnte: „Wer Literatur ernst nimmt, sollte die Erwartungen an sie nicht zu klein ansetzen.“ Literatur diene nämlich „nicht in erster Linie der Zerstreuung, sie ist nicht Teil der Unterhaltungsindustrie, sie ist nicht Teil der Eventkultur“.

Ein bisschen „Event“ – in einem sehr reizenden, festlichen Sinne – ist die Verleihung des Cassens-Preises natürlich doch, der nun erstmals nach dem Tod seiner liebenswürdigen Stifterin vergeben wurde. Vor allem aber ist er ein Motor, ein Mutmacher für Autoren. Das gilt vielleicht nicht nur für Verena Boos, sondern auch für die Hamburger Autorin Kristine Bilkau, die offenbar, wie eine Jurorin verblüffend freimütig verriet, mit ihrem Roman „Die Glücklichen“ nur sehr knapp am Sieg vorbeischrammte.