Hamburg

Großartige „Faust-Szenen“ in der Laeiszhalle

Hamburg.  Goethes „Faust“ gehört zu jenen Kunstwerken, die, obwohl von Menschenhand geschaffen, für einen Normalsterblichen kaum zu erfassen sind. Anders als andere Komponisten hat Robert Schumann bei der Vertonung des Stücks der Versuchung widerstanden, eine Oper daraus zu machen. Ein Ideen-Tableau könnte man seine „Faust-Szenen“ am ehesten nennen. Das klingt erstmal statisch, sperrig. Thomas Hengelbrock und das NDR Sinfonieorchester haben es mit diesen Widerständen aufgenommen und die „Faust-Szenen“ dem Laeiszhallenpublikum zugemutet. Es war alles andere als ein leichtgängiger Abend, aber er wird in Erinnerung bleiben, auch dank einer Sänger-Traumbesetzung.

NDR Chor und RIAS Kammerchor verschmolzen zu einem starken, beweglichen, klar artikulierenden Ganzen. Hervorragend die Chorsolisten, hervorragend die zahlreichen Sängersolisten, darunter die Sopranistinnen Camilla Tilling und Christina Landshamer, um nur einige Namen zu nennen. Der ergreifendste Augenblick aber gehörte dem Bariton Christian Gerha-her, der als Doctor Marianus das Wort an die Jungfrau Maria richtete, schon ganz schwerelos, umschwebt von vibratolosen Streicherklängen.