Neustadt

Gericht spricht Redakteure des Abendblatts frei

Neustadt. Das Amtsgericht hat zwei Abendblatt-Redakteure vom Vorwurf der „verbotenen Mitteilung über Gerichtsverhandlungen“ freigesprochen. Zum Auftakt des Mordprozesses gegen die Eltern der zu Tode geprügelten Yagmur, 3, hatten die Journalisten im Vorjahr aus einem WhatsApp-Chat des angeklagten Paares zitiert, der Teil der internen Ermittlungsakten war.

Am Ende ging das Gericht – wie die Verteidigung – von einem „Verbotsirrtum“ der Redakteure aus. Sie hatten sich beim damaligen Abendblatt-Justiziar vergewissert, ob eine Veröffentlichung des Chats möglich sei. Der Rechtsexperte war am Donnerstag noch als Zeuge vernommen worden. Er sei zu dem Ergebnis gekommen, dass es sich bei den Chat-Protokollen nicht um amtliche Schriftstücke handele, aus denen per Gesetz längere Passagen nicht wörtlich zitiert werden dürfen, sondern um „private Dokumente“. Daraufhin habe er grünes Licht gegeben.

Obgleich die Veröffentlichung der Zitate „tatbestandsmäßig und rechtswidrig“ gewesen sei, so das Gericht, treffe die Redakteure keine Schuld. Denn sie hätten sich ganz auf den Rechtsrat des erfahrenen und zuverlässigen Justiziars verlassen. Dass es sich dabei um eine Fehlauskunft handelt, hätten sie nicht erkennen können.

Bereits Anfang September war der ebenfalls angeklagte Chefredakteur des Abendblatts freigesprochen worden: Er war am Tag, als die Entscheidung fiel, die Protokolle zu veröffentlichen, gar nicht in der Redaktion.