Kultur

Schlimme Dialoge, reizlose Dramaturgie

Völlig erwartbar: Der Krimi „Brandmal“ verknüpft Motive der deutschen Terrorgeschichte

Es sind schon sehr saftige Charaktere, die der ARD-Krimi „Brandmal“ da in einschlägigen Szenen auftreten lässt. Charaktere, die den Terror- und Politkapiteln des Lehrbuchs zur deutschen Geschichte entnommen zu sein scheinen und wie Abziehbilder sind: Da wäre vor allem die Eso-Tante, die früher für eine bessere Welt kämpfte und nun nur noch für ihr eigenes Seelenheil unterwegs ist. Schöne Ausstattung, immerhin: Beate Brandt (Charlotte Schwab) wandelt als spirituell ambitionierte Ex-Linke durch komplett weiße Gemächer.

Und da ist die Riege ihrer ehemaligen Kombattanten, die mit ihr in den Untiefen der militanten Vergangenheit einen Industriellen ermordeten – der ganze Wahnsinn der roten deutschen Polit- und Kulturrevolutionäre, los wird man ihn nie, wenn man dabei war. Die Mitstreiter, man hätte es sich fast gedacht, gehören jetzt zu den Honoratioren der Stadt, die in diesem Fall Hamburg ist. Politiker, Künstler, Liedermacher, Kulturfunktionär, Professor: Gewesene Revolutionäre können es eben weit bringen.

„Brandmal“ ist der dritte Krimi der Jan-Fabel-Reihe mit Peter Lohmeyer

Blöd nur, dass ein Rachetäter 30 Jahre später sein Unwesen treibt und den Großbürgern an die Kopfhaut will: Bevor er die Männer tötet, nimmt er ihren Skalp. Da hat einer mächtig Wut, was, wie sich im Laufe der Ermittlungen für Kommissar Jan Fabel herausstellt, mit einem Verrat zu tun hat, der sich in der Mini-RAF zutrug. Einer von ihnen musste dran glauben, damit die anderen frei waren.

„Brandmal“ ist der dritte Krimi der Jan-Fabel-Reihe, die mit Peter Lohmeyer in der Hauptrolle verfilmt wird. Fabel ist eine Erfindung des schottischen Krimi-Autors Craig Russell, der den deutschen Ermittler insgesamt sechs Mal auftreten ließ. Man muss sagen, dass Russells Version der gewalttätigen Geschichte der Staatsfeinde völlig erwartbare Erzählstränge und Pointen aufbereitet. Etwa, wenn die Umstürzler („Wir waren Visionäre, keine Terroristen“) von einst so übel selbstgerecht und herablassend auftreten, dass sie zu Karikaturen verkommen.

„Brandmal“ ist ein in geraden Linien und mit kräftigen Motiven erzählter Kriminalfilm, der gerade wegen der Aufdringlichkeit seiner Dramaturgie ziemlich reizlos ist. Am schlimmsten sind die Dialoge, besonders dann, wenn Kommissar Fabel dem Zuschauer die Wendungen in seiner Ermittlungsarbeit hemmungslos vorplappert. Überhaupt, Lohmeyer: Selbst wenn man die schlimmen Drehbuchsätze abzieht – was für ein fader Auftritt. Vergleich mit Möhring und Schweiger klar verloren.

Brandmal“ 19.9., 20.15 Uhr, ARD