Hamburg

Klavierkabarett mit Reimkultur und Entertainment

Bodo Wartke feierte mit seinem Programm „Was, wenn doch?“ Premiere in Schmidts Tivoli

Hamburg.  Ihn zu hören ist das eine, ihn zu erleben das andere. Manche freuen sich dieser Tage schon darüber, dass sie die neue CD von Bodo Wartke in den Player schieben können. „Was, wenn doch?“, kommt erst an diesem Freitag in den Handel – wie üblich auf seinem Label namens Reimkultur.

Und bei Wartke lohnt es sich fast immer, mehrmals hinzuhören – er ist nicht nur ein hervorragender Klavier-, sondern auch ein feiner Wortspieler. Dazu noch ein großer Live-Entertainer: Erst holt er Jung und Alt mit seinen heiter-ironischen Texten im Alltag ab, am Ende seiner Show reißt er sie mit, wie beim neuen Programm im ausverkauften Schmidts Tivoli zu erleben.

Premieren feiert Wartke, der vor fast 20 Jahren auf kleinen Bühnen wie der SchlapplacHHalde oder der Agma-Zeitbühne (heute BiB) in Altona-Nord mit Klavierkabarett begonnen hatte, stets in seiner Geburtsstadt. Der erste Teil mit neuen Liedern wie „Avec plaisir“ oder „Der Knopf“, in dem er das Faible fürs Knöpfedrücken augenzwinkernd hinterfragt, bietet Reimkultur pur. Beifall in einem Song erheischt ein Wartke dennoch – da reicht ein flotter Reim oder ein schöner Stilbruch, etwa von Boogie-Woogie zu Fahrstuhlmusik.

Spielend leicht weicht er die Grenzen zwischen U- und E-Musik auf

Warum es uns so schwerfällt, den Wandel als Chance anzunehmen, fragt Wartke in „Was, wenn doch?“ Und tangiert außer Gründen wie Angst und Liebe die Vernunft. Der 38-Jährige selbst liegt irgendwo „Dazwischen“ – ein Song, der beim Labskaus („Besteht der Inhalt nun aus Fleisch oder doch aus Fischen?“) anfängt und doch wieder in kein Format passt. Spielend leicht weicht der Wahlberliner die Grenzen zwischen U- und E-Musik auf.

Genau das bleibt das Spannende bei Wartke, der im zweiten Teil seine ganz Bandbreite ausspielt. Sie reicht vom melancholischen „Der Clown“ über eine freche Parodie auf eine Mozart-Oper bis zur Begegnung mit der Tanzlehrerin „Konstanze“. Bei der schlägt Wartke nicht bloß Latino-Töne an, er tänzelt am Klavier und posiert auf dem Hocker, dass die Besucher rasen. „Hamburg, seid ihr in the house?“, ruft er bei der zweiten Zugabe und haut noch eine Hip-Hop-Parodie raus. Erst mit dem „Schlaflied“ kehrt Ruhe ein.

Bevor Wartke im Foyer selbst seine CDs an den Mann und – in der Mehrzahl – die Frau bringt, hat er noch verraten, dass er seinen Heimat-Aufenthalt über das Premieren-Gastspiel hinaus verlängert: Als Special Guest der Berliner Band Tonträger will der Klavierkabarettist am Freitag in der Markthalle fünf seiner neuen Songs mal rockig rüberbringen. Auch das wird er schaffen – ganz locker.

„Was, wenn doch?“ bis 17.9., 19.30 Uhr, Schmidts Tivoli, einzelne Restkarten ab 18,50: T. 31 77 88 99„Noah war ein Archetyp“ Derniere 2.9.2016, Stadtparkbühne; www.bodowartke.de