Kultur

Wie aus einer Idee ein weltweiter Kinoerfolg wurde

Nach Sofia Coppolas Film „Lost in Translation“ zeigt Arte heute eine Doku über sein Entstehen

Als Sofia Coppola das Drehbuch für ihren Film „Lost in Translation“ schrieb, war ihr klar, dass sie die männliche Hauptrolle mit Bill Murray besetzen wollte. Er sollte den dezent ab­gehalfterten US-Schauspieler darstellen, der nach Japan kommt, um dort einen Werbespot für Whiskey zu drehen. Dass das geklappt hat, weiß man seit einem guten Dutzend Jahren: Der Film wurde ein großer Erfolg, sowohl kommerziell wie auch bei der Kritik.

Coppola wurde für ihr Drehbuch mit einem Oscar ausgezeichnet, und wenn nicht im selben Jahr „Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs“ in den Kinos gelaufen wäre, hätte „Lost in Translation“ auch gute Chancen auf die Oscars als bester Film und als beste Regiearbeit gehabt. Daneben wurde die zweite Regiearbeit Coppolas mit fast 100 weiteren großen und kleinen Preisen ausgezeichnet, ohne dass es jemals den bewussten Plan gegeben hätte, einen weltweiten Erfolg zu schaffen.

Die kulturellen Unterschiede spielten auch hinter der Kamera eine Rolle

Wie kompliziert der Weg bis dahin war, mit welchen teils kleinen, teils die ganze Produktion bedrohenden Problemen die Filmcrew zu kämpfen hatte, beschreibt die Dokumentation „Es war einmal ... ,Lost in Translation‘“, die Arte heute im Anschluss an den Spielfilm zeigt. So war zum Beispiel bis zum Drehbeginn nicht sicher, ob Murray tatsächlich mitspielen würde: Anders als viele andere US-Schauspieler hat er keinen Agenten, den man mal eben anrufen kann, um herauszubekommen, ob sein Schützling Zeit und Lust hat, Teil des Films zu werden. Coppola erzählt, dass es fast ein Jahr dauerte, bis es zu einem Treffen kam, und dass Murray auch danach keine feste Zusage abgab. Schließlich entschloss sich das Team, nach Japan zu fahren und auf sein Erscheinen zu hoffen – mit Erfolg.

Die kulturellen Unterschiede zwischen Japanern und Amerikanern, die die Handlung zwischen den Hauptdarstellern vorantreibt, spielten auch hinter der Kamera eine Rolle. Auch zwischen den Teammitgliedern gingen Dinge „in der Übersetzung verloren“, weil man sich nicht oder falsch verstand, auch abseits der rein sprachlichen Ebene.

Welche Ziele die Mitglieder der Produktion mit dem Film verfolgten, wie diese teilweise durch das Umfeld verändert oder ergänzt wurden, ist spannend anzusehen. Und wenn man etwas an diesem Arte-Filmabend kritisieren möchte, kann das eigentlich nur die Reihenfolge von Film und Doku sein. Denn nach der Dokumentation sieht man „Lost in Translation“ mit anderen Augen.

„Lost in Translation“, Mi 20.15 Uhr, Arte