Warschau

Schanna Nemzowa: Tod des Vaters machte sie zur Kreml-Gegnerin

Warschau. Schanna Nemzowa wurde am Dienstag in der polnischen Hauptstadt ausgezeichnet für den Kampf für Demokratie und Menschenrechte. Doch auf politischen Konfrontationskurs ging die 31-Jährige erst nach dem gewaltsamen Tod ihres Vaters, des russischen Oppositionspolitikers Boris Nemzow, im Februar. Er sei ein Opfer der „Hasspropaganda“ geworden, sagte sie nach der Ermordung unweit der Kremlmauern. Die Wirtschaftsjournalistin warf dem russischen Präsidenten Wladimir Putin sowie den staatlichen russischen Medien vor, die politische Verantwortung für den Tod ihres Vaters zu tragen.

Mit ihren Äußerungen gegen die Kreml-Führung sah sich Nemzowa nach eigenen Angaben zunehmend Drohungen ausgesetzt. Im Juli emi­grierte sie nach Deutschland. Die Deutsche Welle kündigte an, Nemzowa werde künftig für das russischsprachige Programm des Senders arbeiten.

Das polnische Außenministerium zeichnete Nemzowa nun mit dem hoch dotierten Lech Walesa-Preis der Solidarität aus – ausdrücklich für die Fortsetzung des politischen Kampfes ihres Vaters.

Nemzow war in Polen bereits im Juni posthum in Breslau (Wroclaw) mit dem Freiheitspreis ausgezeichnet worden. Als Nemzowa die Ehrung stellvertretend entgegennahm, kündigte sie an, eine Nemzow-Stiftung für ein freies Russland gründen zu wollen.