Kultur

Gebt mir Markus Lanz zurück!

Mir fehlt die Talkshow von Markus Lanz, ich habe Sehnsucht nach seiner härtesten Investigativdrohung „Darüber wird zu reden sein ...“. Wahnsinn, so weit ist es schon. Vor einigen Wochen noch hätte ich nie gedacht, dass mir dieses Entzugsgeständnis so frontal und ernst gemeint in diese Kolumne gerät. Doch da wusste ich auch noch nicht, was und wen das ZDF vier Wochen lang als Urlaubsvertretung für Deutschlands lanzigsten Plauderer auf sein Publikum loslässt, um die warmen Abende vollzusenden, weil die Wiederholungen alter „Traumschiff“-Folgen zur Neige gehen.

Lars Reichow. Lars wer? Eben. Reichow warum? Keine Ahnung. Wahrscheinlich waren alle anderen im Urlaub, die man bei der Mainzer Kleinkünstlervermittlung für kleines Geld buchen konnte. „Ich bin Ihre Sommerpause“, war Reichows Daseinsberechtigung zur Begrüßung, bevor er an einer überlangen Stand-up-Einlage über Wohnmobilurlaub in Norwegen scheiterte. Details habe ich verdrängt. Gutes Heilfleisch.

An diesem Dienstag also verunglückte im Spätprogramm die erste der vier Ausgaben einer Notlösungsshow, die witzig sein sollte, aber schlimmer noch: die ganz dringend total witzig sein wollte. Als Premierengäste hatte die Lerchenberg-Hauptredaktion für Überflüssiges zwei fluffig gedachte Gäste einbestellt: Lutz van der Horst, der sympathisch irre Spaßvogel aus der „heute show“, der offenbar das Kleingedruckte seines Vertrags nicht gründlich genug kontrolliert hatte und Freundlichkeit und Interesse heuchelte, als ihn Reichow nach irgendwelchen Urlaubserlebnissen fragte. Im Sessel nebenan redete Verona Pooth, leider ungebremst, vor sich hin, Sätze wie: „Ich hab Franjo und die Kinder mit im Urlaub, das sind ja auch Tiere.“

So was gab’s da, eine gefühlt siebentägige halbe Stunde lang. Das Publikumsgelächter zu den Drittelpointen klang übrigens sehr wie vom Band. Und am Ende setzten sich Frau Pooth und Herr van der Horst auf den Flügel, an dem ihr Gastgeber Roland Kaisers „Santa Maria“ zu „Sand im Sangria“ umdichtete. Und deswegen: Lanz, übernehmen Sie! Bitte! Sofort! Der Urlaub ist gestrichen.