Hamburg

Umjubelt: die Goldenen Zitronen im Gängeviertel

Hamburg. Sommer, Sonne und die Goldenen Zitronen: Die Schierspassage im Gängeviertel platzte am Freitagabend aus allen Nähten.

Die Aktivisten am Valentinskamp hatten zum Start des Soli-Kulturprogramms geladen. Nachdem im April mehr als 1000 Kulturschaffende per Unterschrift ihre Unterstützung des selbst verwalteten Viertels bekundet hatten, folgen in den kommenden Monaten Taten. Lesungen, Ausstellungen und Konzerte sollen Besucher locken, Geld in die klammen Kassen spülen und die Position in den Verhandlungen mit der Stadt stärken. Was läge da näher als ein Konzert der Goldenen Zitronen? Der Band also, die seit mehr als 30 Jahren mit ihrer Mischung aus Avantgarde und Punk ordentlich Kontra gibt. Das Gängeviertel liegt Sänger Schorsch Kamerun und Co. besonders am Herzen, da hier Kultur abseits von „ökonomischen Verwertungsmechanismen“ stattfinden könne. Gigantische, durchgeplante Events gebe es in der Stadt schließlich schon genug.

So ist es auch kein Wunder, dass das erste Benefizkonzert großen Anklang fand. Mehrere Hundert Fans warteten im kühlen Schatten der historischen Backsteingebäude und bereiteten der Gruppe um kurz nach halb neun einen euphorischen Empfang. Mehr als zwei Stunden spielten die fünf Musiker Songs, die bis heute nichts von ihrer Aktualität verloren haben. Ob Nationalismus („80 Millionen Hooligans“), Flüchtlingspolitik („Wenn ich ein Turnschuh wär“) oder Gentrifizierung („Der Investor“): Schorsch Kamerun erzählte, sang und schrie, dazu spielte die Band ihren gewohnt kraftvollen Synthie- und Gitarrensound. Der klang zwar manchmal schief und übersteuert, animierte aber fast jeden im Publikum zum Tanzen.

Die charismatische Ausstrahlung des Frontmannes tat ihr Übriges, und so verabschiedete sich die Band erst nach mehreren umjubelten Zugaben. Ein gelungener Auftakt des Gängeviertel-Kulturprogramms.