Paris

„Charlie Hebdo“-Herausgeber will keine Mohammed-Karikaturen

Paris.  Laurent Sourisseau, Herausgeber der Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“, will den Propheten Mohammed künftig nicht mehr karikieren. „Wir haben Mohammed gezeichnet, um das Prinzip zu verteidigen, dass man zeichnen darf, was man will“, sagte der französische Künstler dem „Stern“. „Es ist ein wenig seltsam: Man erwartet von uns, dass wir eine Freiheit ausüben, die im Grunde niemand mehr zu nutzen wagt. Dabei haben wir unseren Job gemacht“, betonte er. „Wir haben das Recht auf Karikatur verteidigt. Nun sind andere dran.“

Sourisseau erklärte, nach dem Anschlag sei die Redaktion nicht anfälliger für Selbstzensur geworden. „Wir glauben immer noch, dass wir das Recht haben, alle Religionen zu kritisieren“, sagte er. Er wolle aber nicht, dass man denke, die Redaktion sei vom Islam besessen: Die Fehler, die man dem Islam vorwerfen könne, könne man allen Religionen vorwerfen.

Sourisseau saß bei dem islamistischen Anschlag auf das Satireblatt am 7. Januar mit am Tisch der Redaktionskonferenz. Die Attentäter zertrümmerten die Schulter des 48-Jährigen. Als neuer Herausgeber hält Sourisseau auch 40 Prozent der Unternehmensanteile. Unstimmigkeiten zwischen ihm und anderen Überlebenden von „Charlie Hebdo“ werden seit Ende März öffentlich ausgetragen. Namhafte Redaktionsmitglieder fordern eine genossenschaftliche Hierarchie, an der alle Mitarbeiter beteiligt sein sollen. Sourisseau bekräftigte im „Stern“ seine ablehnende Haltung gegenüber einer Genossenschaft: „Unternehmensbeteiligung und Redaktion, das sind zwei ganz unterschiedliche Sachen.“