Hamburg

Mächtig Beats im Stadtpark und Hip-Hop in der Luft

Cypress Hill machte Station in Hamburg vor ausverkauftem Grün

Hamburg.  Dios Mio! Man fragt sich schon, warum US-Hip-Hop-Truppen so selten auf Deutschland-Tournee gehen. Viel Gepäck brauchen die Hispanic-Rapper Cypress Hill aus Los Angeles am Mittwoch im ausverkauften Stadtpark jedenfalls nicht. Ein Laptop für DJ Julio G, zwei Mikros für B-Real und Sen Dog sowie Congas und etwas Percussion-Spielgerät für Eric Bobo.

Das reicht schon, um 4000 Armpaare bei „Get ‘Em Up“ in die Höhe schießen zu lassen, die auch bei „Hand On The Pump“ oder „How I Could Just Kill A Man“ oben bleiben. Dabei hat sich kein homogenes Hip-Hop-Publikum in Winterhude versammelt. Baseballkappen-Spazierträger, Schanzen-Hipster, Festival-Allesfahrer mit 90er-Jahre-Skatepunk-Kassetten im VW-Bulli und Rocker sind gemeinsam „Insane In The Brain“. Metalfans freuen sich über die von Black Sabbaths „The Wizard“ gemopste Mundharmonika in „I Aint’ Goin Out Like That“ oder die kernigen Gitarrenriffs in „(Rock) Superstar“. Für jeden ist etwas dabei, und der große Konsens ist ja bekanntermaßen Cypress Hills langjähriges Engagement für die Freigabe weicher Drogen.

Das Cannabis-Medley mit „Roll It Up, Light It Up, Smoke It Up“, „I Wanna Get High“, „Dr. Greenthumb“ und „Hits From The Bong“ lässt viele würzig riechende Wölkchen in den regengrauen Himmel steigen. Rauch unterm Wasser, Hip-Hop in der Luft. Wer sich umhört, erfährt von plötzlich abklingenden Rückenschmerzen. Oder von einer leichten Müdigkeit, die hilft, sich bei den wirklich langweiligen DJ- und Percussion-Solos von Julio G und Eric Bobo durchsacken zu lassen. So wird die Spielzeit noch irgendwie auf alles andere als ausufernde 85 Minuten gestreckt.

Und B-Real und Sen Dog, seit Ende der 80er-Jahre durch acht Alben und ungezählte Konzerte zusammengeschweißt, sind sicher nicht die fleißigsten Rapper: Das letzte Album „Rise Up“ erschien vor fünf Jahren. Im Stadtpark aber liefern sie eine muntere Show, marschieren durch den Regen am Bühnenrand entlang und blättern im Handbuch der Publikumsanimation. „Party over here, fuck over there!“, ruft das Duo. Eine Hälfte der Anhänger wird aufgefordert, zu Nirvanas „Smells Like Teen Spirit“ zu hüpfen, die andere zu House Of Pains „Jump Around“. Schon ein Kontrast zum Selbstverständnis von Cypress Hill, zu den „Latin Thugs“, den bösen Jungs zu gehören.

Aber der Spaß ist groß an diesem Abend, die Stimmung ist gut, es regnet nicht allzu viel, die Beats pumpen ordentlich. B-Real schnarrt nasal, Sen Dog bellt, Bobo trommelt Bongo und 8000 Arme wehen wie ein Weizenfeld im Wind. Nur auf das Orchester, das Cypress Hill gern im benebelten Zustand bestellt (man denke an die legendäre „Simpsons“-Folge), wartet man wie immer vergeblich. Aber Philharmoniker haben viel Gepäck, und Cypress Hill braucht schon lange genug am Zoll.