Hamburg

Bauer Verlag will weiter wachsen

Das Hamburger Medienhaus verzeichnete 2014 den zweithöchsten Umsatz der Firmengeschichte

Hamburg. Im Konferenzraum im achten Stock des Bauer-Verlagsgebäudes in Hamburg hängt das Faksimile eines alten Firmenschildes des 1875 gegründeten Medienhauses. „Spezialität: Massenauflagen“. Im 21. Jahrhundert formuliert man das etwas internationaler: „We think popular“ – wir denken populär. Masse ist aber immer noch das Pfund, mit dem die Geschäftsführer Andreas Schoo und Jörg Hausendorf bei der Vorstellung der Geschäftszahlen am Montag wuchern. Man sei das größte Zeitschriftenhaus Europas, verlege die größte Kaufzeitschrift der Welt (die deutsche Programmzeitschrift „tv 14“ mit einer Auflage von 2,4 Millionen Exemplaren) und sei nun auch das größte Radiohaus Europas.

Die Kartellbehörden aller skandinavischen Länder hätten der Übernahme von SBS Discovery Radio zugestimmt. Die Gruppe betreibt 20 Radiosender in Dänemark, Norwegen, Schweden und Finnland. Durch den Zukauf in zweistelliger Millionenhöhe kommt Bauer auf insgesamt rund 100 Rundfunkstationen weltweit.

Der Großteil des Umsatzes wird jedoch nach wie vor mit Zeitschriften generiert: Vom Gesamtumsatz in Höhe von 2,26 Milliarden Euro für 2014 entfallen 1,73 Milliarden auf Magazine. Schoo und Hausendorf betonten, dass man trotz eines leichten Rückgangs im Vergleich zum Rekordjahr 2013 (2,32 Milliarden Euro) zufrieden sei. Gerade in den Bereichen Digital und Radio habe man deutliche Steigerungen verzeichnen können. Das von Yvonne Bauer geführte Familienunternehmen macht zum erzielten Gewinn traditionell keine Angaben.

Der Bauer Verlag hat weltweit etwa 11.000 Mitarbeiter, 2000 in Hamburg

Bauer strebt in den Unternehmensbereichen Print, Digital und Radio weiteres Wachstum an, besonders durch Zukäufe. Ein Venture Fonds mit einem Volumen von 100 Millionen Euro sondiere den Markt nach möglichen Zukäufen. Man werde aber nur zu „realistischen Preisen“ zukaufen, besonders im Digitalbereich sei der Markt augenblicklich überhitzt. Mit 94 Millionen Euro lag der Umsatzanteil der Digitalgeschäfte 2014 bei lediglich vier Prozent des Gesamtvolumens, mit dem Bereich Radio setzte man 242 Millionen Euro um, knapp elf Prozent.

Personell bewege man sich mit etwa 11.000 Mitarbeitern weltweit – davon 2000 am Stammsitz in Hamburg – auf dem Niveau der Vorjahre. Auf Nachfrage betonten die Geschäftsführer, dass man sich bewusst gegen eine Zugehörigkeit zum Zeitschriften-Tarifvertrag entschieden hätte. Dieser böte nicht die gebotene Flexibilität, um mit Wettbewerbern zu konkurrieren. Man orientiere sich stattdessen an Start-up-Unternehmen, böte Erfolgsbeteiligungen, ein „sehr hohes“ Gehaltsniveau und sichere Arbeitsplätze in einer vom digitalen Wandel schwer getroffenen Branche.

Wie hoch der Anteil der Mitarbeiter mit redaktionellen Aufgaben bei Magazinen, Webseiten und Radiosendern ist, konnte das Medienhaus auf Nachfrage allerdings nicht beziffern.