Frankfurt/Main

Medienexperte kritisiert TV-Politmagazine

Zu viel Durchschnitt, zu wenig Analyse: Sendungen trügen zu unpolitischer Haltung bei

Frankfurt/Main. Der Medienwissenschaftler Bernd Gäbler hält die politischen Magazine im deutschen Fernsehen für zu oberflächlich. Zu selten würden Themen gesetzt, es gebe zu viele durchschnittliche Berichte, die teilweise eher in Regionalmagazinen gut aufgehoben wären, schreibt Gäbler in einer Studie der gewerkschaftsnahen Otto-Brenner-Stiftung. Oft stehe die Vertretung von Interessen einer vermeintlich benachteiligten Gruppe im Vordergrund, ohne Interessenskonflikte aufzuarbeiten. Die Empfehlung Gäblers an die ARD, sich auf wenige Magazinsendungen zu konzentrieren, wies RBB-Chefredakteur Christoph Singelnstein zurück.

Gäbler kritisiert, dass die Magazine zu einer unpolitischen Haltung beitrügen, indem sie den Zuschauer in einer Art „fürsorglicher Interessenvertretung“ häufig als Konsumenten ansprächen. Das werde am augenfälligsten in den zahlreichen Test- und „Check“- Sendungen praktiziert.

Eine zugleich appellierende und bevormundende Haltung finde sich aber auch in den Politmagazinen. Auf diese Weise werde eine permanente Erregung erzeugt, „ohne die Gesamtstatik der gesellschaftlichen Konflikte auch nur anzutasten“.

Der Chefredakteur des RBB widerspricht den Thesen von Bernd Gäbler

Der ARD empfiehlt der ehemalige Geschäftsführer des Grimme Instituts eine Konzentration ihres Angebots. Sechs Magazine an zwei Sendeterminen seien einfach zu viele. Insbesondere „Kontraste“ und „Fakt“ hätten wenig eigene Recherchen aufzuweisen.

RBB-Chefredakteur Singelnstein entgegnete, die unterschiedlichen Handschriften der Sendungen seien keine Schwäche, „sondern eine Stärke der Magazin-Flotte der ARD“. „Kontraste“ arbeite kontinuierlich und erfolgreich investigativ, jüngst zu sehen bei Recherchen zu Asylverfahren und zu Rentenbeiträgen. Das Magazin habe seinen festen Platz im politischen Diskurs und beim Fernsehpublikum.

Das ZDF-Magazin „frontal 21“ bietet nach Einschätzung Gäblers am meisten Abwechslung, es fehle aber an redaktioneller Stärke für ein kontinuierlich hohes Niveau der Beiträge. RTL wiederum behandele „Spiegel TV“ wenig pfleglich, es sei auf dem Weg zu einem „bunten Gesellschaftsmagazin“.

Für die Studie hat Gäbler von September bis Ende Dezember 2014 alle Ausgaben und Einzelbeiträge der ARD-Magazine „Report Mainz“, „Report München, „Monitor“, „Panorama“, „Fakt“ und „Kontraste“ sowie „frontal 21“ vom ZDF und „Spiegel-TV“ von RTL untersucht.