Kultur

Wie es nach dem Dalai Lama weitergehen kann

An dem Themenabend Tibet zeigt Arte gegenwärtige und künftige Herausforderungen

Was kommt nach dem Dalai Lama? Das geistliche Oberhaupt Tibets, Sohn einfacher Bauern, wird im nächsten Monat seinen 80. Geburtstag feiern. 1959 musste der spirituelle Führer der ­buddhistischen Tibeter aus der von China besetzten Heimat fliehen und ließ sich am Fuße des Himalayas, im ­indischen Dharamshala, nieder. Um diese einzigartige Persönlichkeit und um die Zukunft seines Landes geht es beim Themenabend „Tibets Zukunft“ am Dienstag auf Arte.
In der ersten Doku „Stunde null auf dem Dach der Welt – Was kommt nach dem Dalai Lama?“ (20.15 Uhr) beleuchten die Autoren Christian Pähler und Lilian Dammann vor allem die Geschichte: 1950 kam der 14. Dalai Lama an die Macht, 1952 begann er mit Reformen, 1959 folgten ihm Zehntausende Tibeter ins indische Exil, von wo aus er bis heute für eine Demokratisierung Tibets kämpft.
Im März 2011 hat er seine politischen Ämter an eine vom Volk gewählte Regierung abgegeben – eine historische und weitreichende Entscheidung. „Kein Land gehört einem Herrscher oder einer Regierung, es gehört dem Volk. Meine Entscheidung ist also richtig und konsequent“, sagt der Dalai Lama. In dem aufschlussreichen Film geht es aber auch um Tibets Zukunft. Am 8. August 2011 wurde der unbekannte Harvard-Absolvent Lobsang Sangay, 42, mit einer Mehrheit von 55 Prozent zum Premierminister der Exilregierung Tibets gewählt, der sieben Minister angehören. Sangay ist verheiratet und hat ein Kind, in Tibet ist er bislang nicht gewesen. In der Öffentlichkeit wird er weiterhin kaum wahrgenommen, und in Begleitung des Dalai Lama verschwindet er nahezu völlig.

Die beiden Autoren machen deutlich, dass China das Kabinett nicht anerkennt und von einer Marionetten-Regierung spricht. Viele Aktivisten der tibetischen Exilgemeinschaft kämpfen aus dem Ausland heraus weiterhin für eine stärkere Demokratisierung ihres Landes

Im zweiten Film „Kein Zuhause nirgendwo“ (21.10 Uhr) gibt Jocelyn Ford einen tiefen Einblick in das Leben der Bäuerin Zanta, die aus einem entlegenen tibetischen Bergdorf stammt und nach dem Tod ihres Mannes mit ihrem Sohn nach Peking geflohen ist, wo sie sich als Straßenverkäuferin durchschlägt. Und im dritten Beitrag „Kampf um Tibet“ (22.15 Uhr) zeigen die Autoren Shi Ming und Thomas Weidenbach bisher unveröffentlichtes Archivmaterial, darunter einen Propagandafilm aus DDR-Archiven, und lassen diverse Historiker und Wissenschaftler aus China zu Wort kommen.

Fazit dieses umfassenden Themenabends: Nicht nur das Schicksal von Tibet steht auf dem Spiel – es geht auch um die Zukunft Chinas und letztlich ganz Asiens.

Themenabend Tibet Dienstag ab 20.15, Arte