Kultur

Isch over, Rolf-Dieter?

Wenn es einen tragischen Helden gibt in dieser finanzpolitischen Endlosschleife namens Schuldenstreit, diesem unendlichen Hin und Her zwischen Griechenland und dem Rest der Finanzwelt, dann heißt er nicht Alexis Tsipras oder Jean-Claude Juncker, auch nicht Wolfgang „Dann isch over“ Schäuble. Rolf-Dieter Krause heißt er. Seit Tagen, Wochen, Monaten, ach was: Jahren schon steht er vor seiner ARD-Kulisse in Brüssel – sofort erkennbar am Halstüchlein, das ihm die Aura eines tyrannischen Aufsichtsratsvorsitzenden verleiht, der sich beim Feierabend-Cognac so richtig locker machen möchte. Und dann muss Herr Krause zum siebeneinhalbmillionsten Mal in den „Tagesthemen“ uns Finanzpolitik-Amateuren geduldig erklären, was gerade wieder falsch gelaufen ist, wer es verbockt hat und warum und überhaupt. Vor allem überhaupt.

Herr Krause ist genügsam leidend, das ehrt ihn ungemein. Er beklagt sich nicht über diesen Sisyphos-Dauerauftrag. Bei ihm zeigt die Mikromimik, wie sehr er leidet an der Blödheit der anderen, der Aufdringlichkeit jener Politiker, die ihm täglich ins Ohr flöten wie die Sirenen dem armen Odysseus, wie sehr sie gerade mal wieder alles und jeden gerettet haben.

In solchen Momenten wünscht man Herrn Krause ganz persönlich, dass diese Krise schnell ein Ende finden möge. Dann könnte Rolf-Dieter Krause auch mal wieder freundliche Korrespondentenfilmchen für kurz vor dem Wetterbericht machen: die Pommes-Vielfalt in Belgien. Flamen gegen Wallonen. Mit Autobahnpolizisten auf Flutlicht-Kontrolle durch die Nacht. Belgien soll ja recht schön sein.

Manchmal, ganz selten, ist Herr Krause nicht auf Sendung, vielleicht gerade was essen oder eine böse SMS an Merkel schicken, das Halstuch bügeln oder so, dann muss sein Azubi ran als Erklärbär. Der hat borisbeckerrotblonde Locken und einen Hobbit-Bart, der Name will sich nicht einprägen. Ist aber auch egal. ARD-Schalte nach Brüssel heißt: Herr Krause steht da und sortiert uns das Elend in verdauliche Portionen.

Rolf-Dieter Krause ist nicht nur ein Guter. Er ist ein ganz Großer.